Selbstfindung

Was ist eigentlich diese Erfüllung, nach der alle suchen?

Was ist eigentlich diese Erfüllung, nach der alle suchen?

„Ich möchte ein erfülltes Leben führen – in meiner beruflichen Tätigkeit und darüber hinaus!“ – an diesen Satz klammere ich mich seit vielen Jahren und bin stetig auf der Suche, wie und wobei ich diese Erfüllung denn nun finden könnte. Kennst du das auch? Tief im Herzen will sicherlich jeder etwas tun, das ihm das Gefühl von Sinnhaftigkeit gibt. Diese eine Sache, zu der wir „bestimmt“ sind und bei der wir unser volles Potenzial leben können.

Gestern kam mir jedoch ein Gedanke, der mich gerade sehr beschäftigt.

Der Begriff „Erfüllung“ klingt so groß und mächtig, fast wie eine Erleuchtung – etwas Magisches haftet diesem Wort an. Das gilt auch für die Worte „Berufung“ und „Gabe“. Mittlerweile werden diese Wörter beinahe inflationär gebraucht – in der Persönlichkeitsentwicklungs- und Coaching-Szene, in zahlreichen Facebook-Gruppen und Foren, im Alltag und auch hier auf meinem Blog.

Was per se erstmal nichts Negatives ist – denn natürlich ist es wichtig, groß zu träumen und eine Tätigkeit bzw. eine Lebensweise zu finden, die für einen selbst sinnvoll ist. Da gehe ich vollkommen mit. Auch mein Ziel ist es, Menschen zum Umdenken zu inspirieren und dem Lebensstil, den sie sich wünschen Schritt für Schritt näherzukommen.

Aber ich glaube, dass mittlerweile viele Menschen ein missverständliches Bild von Begriffen wie „Erfüllung“, „Berufung“ und „Gabe“ haben. Eben weil diese Worte so groß sind. Beinahe übermächtig. Und dadurch scheinbar unerreichbar. Immer mehr Menschen (Blogger, Coaches, digitale Nomaden, …) verkünden in den sozialen Medien und auf ihren Blogs, nun endlich erfüllt zu sein. Lachende Gesichter am Meer oder auf einer Bergspitze. „Endlich lebe ich meinen Traum! Ich habe es geschafft und zeige dir, wie es geht!“

Was per se ebenfalls nichts Negatives ist. Natürlich ist es inspirierend, solche Vorbilder zu sehen. Zu realisieren, dass es wirklich möglich ist, dass immer mehr Menschen ins Tun kommen und ihre Träume verwirklichen.

Doch ich glaube, ein so einfaches Wort wie „Erfüllung“ wird dadurch auf ein Podest gestellt. Als wäre es magisch, etwas ganz besonderes, was man jahrelang suchen muss. Etwas, das man nur durch harte Arbeit (an sich selbst und/oder am eigenen Business) erfahren kann.

Es entsteht eine enorme Kluft zwischen denen, die „es geschafft“ haben, und denen, die auch unbedingt dort hinwollen. Der Weg scheint unendlich weit zu sein, vielleicht unüberwindbar weit. Doch ist er das wirklich?

Was bedeutet „Erfüllung“ eigentlich?

Nehmen wir das Wort mal auseinander. Er-füll-ung beinhaltet das Wort „Fülle“. Bei der Er-füll-ung geht also darum, mehr von etwas zu bekommen. Eine Sache, die uns momentan noch fehlt, um ganz voll und satt („erfüllt“) zu sein.

Doch wann bist du „voll“? Kannst du durch Dinge im Außen voll werden? Eine „sinnvollere“ berufliche Tätigkeit, eine lange Reise, mehr Geld, ein ortsunabhängiges Onlinebusiness, Gewichtsreduktion oder was auch immer?

Was wäre, wenn du die Fülle in dir selbst finden würdest?

Wenn alles bereits da wäre? Dann bräuchtest du nichts mehr im Außen hinzuzufügen. Du müsstest dein Leben nicht komplett auf den Kopf stellen – sondern nur deinen Fokus verschieben. Und das klingt deutlich einfacher und machbarer als die magische, übermächtige Reise zu „wahren Berufung“, dem Finden deiner „einzigartigen Gabe“ oder der „absoluten Erfüllung“ – findest du nicht?

Das was im Außen ist kann dich niemals wirklich erfüllen. Wenn du dich auf das „voll werden“ durch deine berufliche Tätigkeit, deinen Besitz, deine Beziehungen, dein Aussehen fokussierst, bist du immer abhängig von diesen Faktoren. Bricht einer von diesen Bereichen ein, ist deine Erfüllung, dein Lebensglück beeinträchtigt – denn du bist ja scheinbar nicht mehr „in deiner Fülle“. Es fehlt wieder etwas, das von außen hereinkommen soll.

Wie geht es dir mit dem Gedanken, dass du bereits erfüllt bist – genauso wie du jetzt bist und mit allem, was jetzt gerade in deinem Leben ist? Kannst du diesen Gedanken annehmen? Oder spürst du Widerstand?

Lass uns ein kleines Gedankenexperiment machen. Stell dir ein kleines Baby vor, das gerade geboren wurde. Es ist perfekt, so wie es ist. Alles an ihm ist richtig. Es blickt mit offenen, unschuldigen Augen in diese Welt, hat nur gute Absichten. Geht immer vom Besten, vom Positiven aus. Ist neugierig und lebenshungrig, betrachtet die Welt um sich herum mit Staunen und entdeckt Schritt für Schritt all die Wunder unseres Lebens. Es teilt Menschen nicht in Kategorien ein, es hat keine Angst vor Gefahren, es macht alles was es tut aus purer Freude und Energie heraus. Ein Neugeborenes ist pure Liebe, pures Licht.

Was ist eigentlich diese Erfüllung, nach der alle suchen?

Doch nach und nach verändert sich etwas. Andere Menschen tragen Erwartungen an das heranwachsende Kind heran. Reagieren vielleicht ablehnend, wenn das Kind etwas tut, was ihnen selbst gerade nicht in den Kram passt. Sind übervorsichtig und übertragen unbewusst ihre Angst. In sozialen Situation erfährt es vielleicht Mobbing, wird belächelt, ausgeschlossen oder vielleicht sogar körperlich angegriffen. So entwickelt das Kind Glaubenssätze über sich selbst – wer bzw. was es ist und wie es sich verhalten muss, um akzeptiert zu werden. Es fühlt sich nicht mehr „erfüllt“ und „ganz“ in seinem Sein – sondern erfährt eine Trennung.

Wie du deine „Erfüllung“ finden kannst

Du bist dieses Baby. Du bist heil und erfüllt auf diese Welt gekommen. Erfahrungen und Glaubenssätze haben sich mit den Jahren über diese Wahrheit, deine Essenz, gelegt. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass alles bereits in dir ist.

Deine „Erfüllung“ ist nichts, was du im Außen suchen musst – in deiner beruflichen Tätigkeit, deinem Aussehen, deinem Besitz, deinem Lebensstil. „Erfüllung“ ist etwas, dass du bereits in dir selbst trägst und unter all den darüber liegenden Schichten wieder ausgraben kannst.

Das ist die einzige Suche, auf die du dich begeben musst.

Und wie geht das nun? Wie kann man all diese Schichten langsam abschälen, um die eigene Wahrheit wieder zu entdecken? Ich denke, der Weg ist für jeden anders und der erste Impuls muss aktiv von dir selbst ausgehen. Am Anfang steht die Entscheidung. „Ja, ich möchte jetzt anfangen, an mir zu arbeiten und gehe den ersten Schritt.“

Und dem ersten Schritt folgt der zweite, der dritte und viele weitere. Es ist ein langer Prozess, der höchstwahrscheinlich viele Jahre dauern wird – je nachdem, welchen Prägungen du ausgesetzt warst. Diese Reise wird vielleicht bis an dein Lebensende dauern. Zu diesem Thema passt übrigens auch mein Blogbeitrag „Du hast bereits alles was du brauchst – Wie du dein Leben zu schätzen lernst“ – vielleicht hilft dieser Artikel dir schon weiter.

Beginne erstmal damit, ein paar Bücher über Persönlichkeitsentwicklung bzw. Selbstfindung zu lesen, um dich auf das Thema einzuschwingen. Toll sind auch die Podcasts von Kristin Woltmann und Laura Malina Seiler, die ich dir hiermit wärmstens ans Herz legen möchte:

→ Celebrating YIN Podcast
→ Happy, holy & confident Podcast

Weitere Tipps dazu möchte ich euch gern in Zukunft geben, hier im Blog oder vielleicht sogar als Buch. Ich überlege mir mal was. Bin auf jeden Fall gespannt auf euer Feedback zu diesem Artikel.

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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