Selbstfindung

Vom Umgang mit dem Tod

Vom Umgang mit dem Tod

Ich habe eine zwiegespaltene Meinung zum Tod. Für mich ist nicht das Alter entscheidend, in welchem ein Mensch gehen muss, sondern seine Einstellung zum Leben. Ich bin gespannt, wie ihr das seht – schreibt mir doch gern einen Kommentar. Aber nun möchte ich euch erstmal meine Sichtweise darlegen und von meinen Erfahrungen berichten.

Es gibt Menschen (meistens Ältere), die keinen Lebenswillen mehr haben. Sich seit Jahren aufgegeben haben und nur noch dahinsiechen, depressiv sind, in die Luft starren, keine Freude am Leben haben. Sich über alles und jeden beschweren. Ich habe das Gefühl, dass solche Menschen vom Tod erlöst werden. Sie haben es endlich geschafft, müssen nicht mehr da sein. Oft reden sie zu Lebzeiten sogar davon, dass sie keine Lust mehr haben.

Aber dann gibt es Menschen, die einen unbändigen Lebenswillen haben. Ihr Leben genießen, mit ihren Kindern toben, Träume und Visionen haben. Die vielleicht gerade mal in der Mitte ihres Lebens angekommen sind. Wenn so jemand stirbt, werde ich unglaublich traurig. Ich verstehe diese Ungerechtigkeit nicht, Kindern ein Elternteil wegzunehmen. Sorry Tod, das erschließt sich mir nicht. Wenn ich in 20 Jahren erleuchtet bin, sehe ich das vielleicht anders, aber jetzt finde ich es noch scheiße.

Aus der Heimat bekam ich die Nachricht, dass zwei meiner ehemaligen Kommilitonen gestorben sind. Anfang/Mitte 40. Beide an Krebs. Beide mit kleinen Kindern. Es hat mir das Herz gebrochen. Mit einem von beiden hatte ich eine Zeit lang viel Kontakt. Er hat mich wie ein Vater behütet und beschützt, wenn ich im Studium als kleines scheues Reh nicht weiter wusste. Er war immer für mich da, ein Fels in der Brandung.

Es ist unwirklich. Es ist ungerecht. Es ist scheiße! Niemand sollte in seinen 40ern diese Welt verlassen müssen. Und schon gar nicht, wenn er es nicht will. Und schon gar nicht, wenn er kleine Kinder zurücklässt. Doch ich gehe auch davon aus, dass alles im Leben einen Sinn hat und uns etwas zeigen soll. Auch wenn wir den Sinn oft erst sehr viel später erkennen.

Trauer zulassen und verarbeiten: Mein Ritual

Ich habe intuitiv „mein Ritual“ gemacht und möchte euch heute davon berichten. Vielleicht kann es dem ein oder anderen auch helfen. Ich war überwältigt von der Wirkung. Tatsächlich war ich nach ca. 90 Minuten absolut ruhig, klar und in Frieden mit dem frühen Tod zweier lieber Menschen.

Also, was habe ich gemacht? Was ist „mein Ritual“? Wie so oft hat mir die Natur geholfen. Um das Ganze zu verdauen, bin ich aufs Feld gegangen. „Ich geh mal aufs Feld“ ist schon mein Standardsatz hier in unserem Häuschen geworden. Das Feld ist mein Zufluchtsort. Niemand ist dort. Keine Menschen, keine Tiere (außer ab und zu ein Fasan), nur das schlammige Feld und ich. Hier gehe ich eine oder mehrere Runden und bin danach wieder klar im Kopf (oder zumindest etwas klarer als vorher).

Ich war traurig und wütend. Habe die ganze Zeit geweint. Habe das Universum gefragt, was das soll. Und dann habe ich mit den beiden Verstorbenen geredet. Einfach so, vor mich hin, was ich gern loswerden wollte. Ich habe ihnen gesagt, was ich an ihnen geschätzt habe und mich für alles bedankt, das ich von ihnen lernen durfte. Mir ihre Botschaft angehört. Sie schienen beide in Frieden zu sein. Das Ganze dauerte ungefähr 90 Minuten. Es gab viele Wiederholungen, viele Tränen, und am Ende habe ich die beiden nur noch lächeln gesehen. Dann bin ich wieder nach Hause gegangen und war ganz ruhig. Keine Spur mehr vom ursprünglichen Aufgewühltsein.

Was mich am meisten erstaunt hat, war die Nachhaltigkeit dieser „Zeremonie“. Es kamen keine negativen Emotionen mehr, auch nach Wochen nicht. Normalerweile knabbere ich an solchen schlimmen Dingen monatelang. Aber ich war und bin einfach in Frieden. Wow, das ist so mächtig!

Gern würde ich eure Erfahrungen hören. Wie geht ihr mit dem Tod um? Welches Ritual könnt ihr empfehlen?

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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