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Unsere Langzeit-Familienreise: Warum wir reisen und wie wir unterwegs Geld verdienen

Unsere Langzeit-Familienreise: Warum wir reisen und wie wir unterwegs Geld verdienen

Heute möchte ich euch mal ein wenig hinter die Kulissen blicken lassen. Im Frühjahr 2017 haben wir beschlossen, all unseren Besitz zu verkaufen, unsere Wohnung in Berlin zu kündigen und mit unseren zwei Kindern auf eine Langzeitreise durch Europa (und eventuell noch darüber hinaus) aufzubrechen.

Eigentlich wollten wir uns ein Wohnmobil kaufen – so hat man Schlafplatz, Küche & Bad immer dabei. Aber unser Budget reichte nicht mal annähernd dafür aus, und so kauften wir uns einfach ein etwas größeres Auto (VW Sharan) und düsten los. Unser erstes Ziel war (und ist) Schweden, wo wir momentan den Sommer verbringen. Für den Anfang haben wir wochenweise Ferienhäuser an verschiedenen Standorten in Dänemark gemietet, um so immer stückchenweise näher an Schweden heranzukommen. Jetzt sind wir in Schweden angekommen und bleiben insgsamt drei Monate hier. Danach geht es nach Schottland, Wales & England und anschließend wahrscheinlich über Frankreich nach Spanien. Natürlich ändern sich unsere Pläne unterwegs auch immer mal. Aber einen groben Plan zu haben schadet ja nicht :)

Wie kam es zu unserem Entschluss, mit unseren Kindern viele Monate auf Reisen zu gehen?

Bevor wir Kinder hatten lebten wir ein relativ normales Leben. Wir akzeptierten den Status Quo unseres Alltags, ohne viel zu hinterfragen. Klar muss man jeden Tag arbeiten, um sich dann ab und zu etwas Luxus und einen kleinen Urlaub leisten zu können, und natürlich um für die Rente zu sparen. Klar muss man seine Wohnung schön einrichten, regelmäßig neue Klamotten, Bücher und allerhand anderen Kram kaufen. Klar essen wir einfach das, was es im Supermarkt gibt: Wo gesund drauf steht, ist doch auch gesund drin? Klar kaufen wir bei H&M, schließlich sehen die Klamotten cool aus und sind obendrein noch günstig. Und wenn wir irgendwann Kinder haben, bauen wir ein schönes Haus im Grünen und zahlen 30 Jahre lang die Hypothek ab. Dafür arbeiten wir ja schließlich die ganze Zeit. Ist doch normal, machen doch alle so. Oder?

Aber dann lang da plötzlich so ein winzig kleines Wesen in unseren Armen und stellte unser Leben komplett auf den Kopf. Wir fragten uns, wie wir leben und was für Eltern wir für unsere Kinder sein wollten. Sind Arbeit und Geld wirklich so wichtig? Was macht eine glückliche Kindheit aus? Woran sollen sich unsere Kinder später erinnern? Ist der ganze angeblich „gesunde“ Kram aus dem Supermarkt wirklich gut für uns und unsere Kinder? Wir fingen an, Vieles zu hinterfragen, schauten uns jede Menge Dokumentarfilme an, lasen unzählige Bücher. Mit den Jahren veränderten sich unsere Prioritäten und Denkmuster. Wir stellten unsere Ernährung auf pflanzliche Kost um, bevorzugten alternative Medizin (wenn überhaupt), hinterfragten unseren Konsum und vor allem das Arbeitsleben.

Bester Ort der Welt ❤️

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Der Gedanke, unsere Kinder ab dem frühesten Kleinkindalter fremdbetreuen zu lassen, damit wir schnell wieder Vollzeit arbeiten können – von der Kitazeit bis zu den zehn oder zwölf Jahren Schule – erschien uns immer absurder. Wir sind doch eine Familie, also wollen wir auch Zeit miteinander verbringen! Den Höhepunkt erreichte die Absurdität, als mein Mann seine Ausbildung zum Erzieher begann. Tag für Tag ging er früh aus dem Haus und kehrte erst spät abends zurück, um fremde Kinder zu betreuen. Seine eigenen Kinder sah er hingegen kaum und litt sehr darunter.

Als unser Sohn zu früh geboren wurde – per Kaiserschnitt, ich konnte also kaum laufen (und wir hatten zeitgleich noch eine große Tochter zuhause) – sollte mein Mann am dritten Tag (!) wegen eines Engpasses wieder auf Arbeit erscheinen, mit Bitte um Verständnis. Ich bin durch die Decke gegangen und konnte es nicht fassen – wie kann jemand so etwas verlangen? Er ist natürlich nicht hingegangen und wir haben dann beschlossen, dass er die Ausbildung erst mal ruhen lässt und wir uns einen Plan B überlegen. Dann ging alles plötzlich ganz schnell. Ich war bereits seit vielen Jahren selbstständig und arbeitete von zuhause aus. Als mein Mann nach Stilllegung seiner Ausbildung dann auch jeden Tag zuhause war, fragte ich mich: Warum sind wir eigentlich hier an diesem Ort, wenn wir nun nicht mehr an einen Arbeitsplatz gebunden sind? Ich kann von überall arbeiten, also können wir auch überall hin!

Warum unseren Traum nicht einfach wahr machen?

Vor der Geburt unserer Kinder waren wir auf einem Roadtrip durch Schweden, der uns nachhaltig geprägt hat. Immer wieder dachten wir daran zurück, wie frei und unbeschwert wir waren – ohne festen Plan, ohne viel Ballast – die wundervollen Landschaften und die unberührte Natur. Immer wieder sehnten wir einen unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft herbei, wann etwas Derartiges wieder möglich sein würde. „Wenn die Kinder größer sind“ oder „Wenn wir irgendwann mehr Geld haben“. Wir schoben es immer weiter auf und wurden in der Großstadt immer unglücklicher. Es gab noch viele Schranken im Kopf zu überwinden. Ich kannte bereits die Sundance Familie, die Horlachers, die Ökofamilie und einige mehr und schaute mir immer wieder deren inspirierende Videos an. Und irgendwann machte es Klick.

Ich fragte meinen Mann, ob er sich vorstellen könnte dass wir alle Zelte abbrechen und einfach losfahren. Er sagte sofort zu und wir begannen mit der Planung. Wir sind mittlerweile komplett aus Deutschland abgemeldet und werden den Sommer und Herbst in Skandinavien mit anderen Familien verbringen – was danach kommt ist vollkommen offen. Alles was wir noch besitzen passt in unser Auto. Von nun an ist die Welt unser Zuhause. Wir können jeden Tag zusammen sein und fühlen uns so gut wie lange nicht mehr!

Wild & free ❤️#schweden #naturliebe #wildandfree

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Moment mal, ihr seid doch bestimmt reich? Oder wie finanziert ihr das?

Nein, wir sind ganz und gar nicht reich. Wir haben sogar weit weniger Geld zur Verfügung als die meisten unserer Verwandten, Bekannten und Freude. Zwar träume ich davon, irgendwann so viel zu verdienen, dass wir unser Leben entspannt genießen und nicht mehr ans Geldverdienen denken müssen – aber meine Seele (und die Seele meiner Kinder) verkaufe ich dafür nicht. Wir konnten uns in unserem „alten Leben“ weder ein Auto noch regelmäßige Urlaube leisten. Auch ein Hauskauf wäre noch lange nicht drin gewesen. Doch wer definiert überhaupt was Reichtum ist? Muss sich Reichtum immer an der zu Verfügung stehenden Menge einer virtuellen Währung bemessen?

Ich bin der Meinung, dass ich der reichste Mensch der Welt bin – ohne dabei an meinen Kontostand zu denken. Ich habe einen liebevollen Mann, der mich so akzeptiert wie ich bin und mich in allen Lebenslagen bedingungslos unterstützt. Ich habe zwei wunderbare gesunde Kinder, viele tolle Freunde in allen Himmelsrichtungen, jederzeit ein Dach über dem Kopf, genug zu Essen und lebe in einer friedlichen Umgebung. Das alles macht mich zum reichsten und glücklichsten Menschen auf der Welt. Das ist alles was ich brauche und alles was zählt. Keine Karriere, kein Speicher voller Geld und kein Luxusartikel dieser Welt kann mir auch nur ansatzweise das bieten, was ich bereits habe. Darüber habe ich übrigens auch einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben: Du hast bereits alles was du brauchst – Wie du dein Leben zu schätzen lernst

Doch jetzt bin ich vom Thema abgeschweift. Wie finanzieren wir unsere Langzeitreise mit den Kindern? Unsere Kalkulation ruht momentan auf diesen Pfeilern:

– keine Wohnung (Wir sparen: Miete, Nebenkosten, Strom, Gas, GEZ und Telefon im Gesamtwert von 1100 €)
– kein Wohnsitz in Deutschland (Wir sparen: Krankenversicherung für vier Personen im Wert von rund 650 €; allerdings bekommen wir so weder Kinder- noch Elterngeld)

= 1750 € Ersparnis

Ferienhäuser kosten uns monatlich zwischen 600 und 1000 Euro Miete, je nach Ort und Saison. Dazu Benzin mit ca. 150 Euro, diverse Versicherungen (inklusive internationaler Krankenversicherung) insgesamt mit 200 Euro. Kosten für Lebensmittel und alles drumherum hätten wir sowieso auch gehabt, daher rechne ich sie hier nicht mit rein. (hängt vom Land ab, kann etwas teurer aber auch deutlich günstiger als in DE sein).

= 950 – 1350 € Kosten

Ganz einfach, oder? Und, hast du schon Lust bekommen, loszufahren? :)

Strand in Gudmindrup 😍 Ganz schön windig!! 🌬

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Unterwegs Geld verdienen

Aber irgendwoher muss ja das Geld kommen, das wir für Ferienhäuser, Benzin, Essen & Co. benötigen. Momentan arbeite nur ich, mein Mann versucht gerade parallel sich etwas aufzubauen (ist noch in Arbeit, ich werde berichten :) ). Unsere Haupteinnahmequelle ist mein Schnittmuster-Label, über das ich digitale Schnittmuster verkaufe. Außerdem habe ich bereits einige Bücher und Ebooks geschrieben, die ebenfalls voll automatisch verkauft werden. Zusätzlich habe ich noch einen kleinen Freelancer-Job, der aber in einem Monat ausläuft. Ich bin ja großer Fan des passiven Einkommens. Ich mag den Gedanken, dass man einmal ein Produkt erstellt und dann immer wieder damit Geld verdient – anstatt seine Lebenszeit stundenweise gegen Geld einzutauschen, wie das in Festanstellungen oder bei freiberuflichen Tätigkeit der Fall ist („Arbeite … Stunden und ich gebe dir dafür … Euro“). Über passives Einkommen muss ich auch unbedingt noch mehr hier schreiben, ich habe schon soviele Ideen! :)

Wir überlegen gerade hin und her, was wir beruflich machen und wie wir in Zukunft Geld verdienen möchten. Ich würde gern weiterhin Bücher und Ebooks schreiben, könnte mir aber auch noch andere Komponenten (auch offline) vorstellen – allerdings fehlt mir da momentan noch die Eingebung, was das sein könnte. Mein Mann startet in Kürze sein eigenes Beratungsbusiness – mal schauen, wie sich das entwickelt. Alles in allem sind wir jedoch im Fluss und lassen uns treiben. Wer weiß, was sich noch für neue Möglichkeiten auftun.

Würdest du auch gern mit deiner Familie reisen? Was hält dich davon ab? Schreib mir gern deine Fragen und dein Feedback in die Kommentare unter dem Beitrag oder per Mail.

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

7 Gedanken zu „Unsere Langzeit-Familienreise: Warum wir reisen und wie wir unterwegs Geld verdienen“

  1. Amely sagt:

    Hallo Julia, dein Beitrag ist sehr interessant! Ich finde es toll, dass ihr eure Träume verwirklicht und denke auch, dass man Reichtum und Erfolg nicht nach gesellschaftlichen Standards definieren sollte sondern individuell. Euer Modell wäre für mich persönlich nichts, da ich meine Arbeit als sehr erfüllend und sinnvoll empfinde (wenngleich natürlich manchmal anstrengend, aber das gehört auch dazu). Wenn ich länger reise, habe ich den Eindruck, nur noch zu konsumieren und Eindrücke aufzunehmen, anstatt etwas zu erschaffen. Dauerhaft macht mich das dann nicht glücklich. Jeder hat eben andere Vorstellungen und es ist schön, wenn man diese umsetzen kann! Ich wünsche euch weiterhin eine schöne Reisezeit:)
    Amely

  2. Julia sagt:

    Hallo Amelie, vielen Dank für deinen Kommentar! Ich finde, dass man auch auf Reisen einen Beitrag leisten und etwas erschaffen kann. Wir arbeiten ja auch von unterwegs und verdienen damit unser Geld. Es geht auch ohne reinen Konsum. Wir leben unterwegs einen ganz normalen Alltag mit Arbeitszeiten, Spielzeiten, Mahlzeiten & anderen Familienritualen. Und unsere Kinder lernen „nebenbei“ neue Länder, Kulturen und Menschen kennen – was ich einfach für eine tolle Art zu Lernen halte. Ich glaube eine Langzeitreise kann man nicht mit Pauschaltourismus vergleichen.

    Liebe Grüße,
    Julia

    1. Amely sagt:

      Hallo Julia, danke für deine Antwort. Du hast ja im Post schon beschrieben hast, dass ihr unterwegs arbeitet. Deswegen war mir schon klar, dass ihr produktiv seid usw. Nur ich persönlich kann meine Arbeit nicht von unterwegs machen. Wenn ich von unterwegs arbeiten könnte, käme euer Modell für mich vielleicht auch in Frage. Es war also keine Kritik an eurem Modell. Ich bin auch nicht als Pauschaltourist unterwegs. Auf Reisen konsumiere ich wahrscheinlich nicht viel mehr Lebensmittel und andere Produkte wie daheim auch. Es ging mir darum, dass ich unterwegs sehr viele Eindrücke aufnehme (konsumiere), mir aber nach längerer Zeit ein Ventil fehlt, um diese kreativ umzuwandeln oder etwas aus mir selbst heraus zu erschaffen. Das fehlt mir dann.
      Wahrscheinlich habe ich mich in meinem ersten Kommentar etwas missverständlich ausgedrückt.
      Also, liebe Grüße und euch weiterhin eine schöne Reisezeit!
      Amely

  3. Julia sagt:

    Huhu Amely, vielen Dank für deine Antwort! Man kann doch die Eindrücke auch einfach nur aufnehmen, ohne was draus zu „machen“. Also die Zeit genießen. Fällt mir aber auch schwer, ich denke oft ans Geschäftliche und ob man da jetzt nicht was draus machen könnte (da kommen mir jeden Tag neue Ideen ;D). Bin gerade dabei, das genießen zu lernen. Also einfach im Jetzt da sein, ohne an was anderes zu denken. Arbeit ist Arbeit, Reisen ist Reisen. Oder so :)

  4. Claudia sagt:

    Hut ab, liebe Julia vor so viel Mut! Viele Träumen davon so zu leben, aber die wenigsten bringen den Mut auf, diesen Traum umzusetzen. Alles Gute für euch!

    1. Julia sagt:

      Vielen lieben Dank! So mutig finde ich das gar nicht :) Wenn man eine Weile daran herumdoktort, verliert man die Angst :)

      Liebe Grüße,
      Julia

  5. Bianca sagt:

    Ich finde es klasse immer auf Reisen zu seinen und seine Träume von unterwegs zu finanzieren. Aus meiner Sicht genört dazu schon eine Menge Mut. Ihr macht das wirklich toll.

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