Familie, Selbstbestimmt Arbeiten, Selbstfindung

Unser Weg in die Freiheit

Schon seit meiner ersten und einzigen Festanstellung fand ich das Konzept des passiven Einkommens spannend. Schon damals las ich Blogs von digitalen Nomaden und träumte insgeheim davon, auch so frei wie sie zu leben. Das ist mittlerweile 10 Jahre her.

Ich war als Angestellte so unglücklich mit all den Zwängen, dass ich schon nach einem Jahr kündigte und mich als Webdesignerin selbstständig machte. Zeitgleich startete ich meinen ersten kleinen Blog, um auszuprobieren wie das mit dem „Geld verdienen im Internet“ wohl so funktioniert. Der Blog warf allerdings jahrelang nichts ab und so stampfte ich ihn irgendwann ein. Es sollten weitere folgen, die teilweise etwas einbrachten, aber nie genug um davon auch nur halbwegs zu leben. Haupteinnahmequelle war in meinen ersten Berufsjahren meine eigene kleine Webdesignagentur, die ich 4 oder 5 Jahre betrieb. Aber auch das freiberufliche Arbeiten, meist auf Stundenbasis, war für mich Sklaverei. Mir fielen die Vehandlungen ums Geld sehr schwer und wenn ich Pauschalpreise kalkulierte, unterschätzte ich regelmäig den Aufwand und verdiente viel zu wenig für die geleistete Arbeit. Auch mit den starren Vorgaben der Kunden kam ich nicht gut klar, ich wollte lieber mein eigenes Ding machen.

In der ersten Elternzeit hatte ich endlich mal eine lange Pause zum Nachdenken und beschloss, den Webdesignjob an den Nagel zu hängen. Einen Plan B gab es nicht. Ich wollte irgendwas selber machen, mit den eigenen Händen erschaffen und darüber bloggen. Das war alles was ich wusste. Also startete ich meinen Blog Kreativlabor Berlin und tüftelte ein wenig vor mich hin. Nach einigen Wochen kam ich zum Nähen und bloggte über meine Nähwerke und wie ich diese genäht hatte. Daraus entstand auch meine erste Nähanleitung mit Schnittmuster. Sie verkaufte sich so gut, dass ich weitere erstellte und über DaWanda als digitales Ebook vertrieb. Ich gab mir die allergrößte Mühe, da ich unbedingt mit meinem Blog Geld verdienen wollte und nicht zurück zum Webdesign wollte. Nach sechs Monaten hatte ich einen Buchvertrag in der Tasche und so langsam wurde eine runde Sache daraus – nach zwei Jahren konnte ich dann endgültig von meinem Schnittmuster-Label leben.

Damals hatten wir noch zwei Einkommen und verdienten zusammen genug für unsere kleine Familie. Doch wie es manchmal so ist: Dinge verändern sich. Mein Mann war sehr unglücklich in seinem Beruf und startete nochmal ganz neu als Azubi in einem neuen Bereich. Nun fehlten uns monatlich mehrere hundert Euro, die ich zusätzlich erwirtschaften musste. Sobald ich einen Ansporn habe, sprießen die Ideen. Ich stürzte mich ins Blogmarketing, erstellte mehr und mehr Schnittmuster, ein zweites Buch und begann wieder einige Stunden pro Woche freiberuflich auf Stundenbasis zu arbeiten. So langsam nagte aber auch an mir wieder die Unzufriedenheit. Nee, so ganz war es das noch nicht mit dem Nähen.

Aber ich wurde wieder schwanger und setzte auf Sicherheit. Warum was Neues starten, wenn das Alte läuft? In der Schwangerschaft und Elternzeit kamen die Zweifel jedoch wieder und ich beschloss, dass sich was ändern muss. Mir war das alles zu unfrei. Das große Atelier, die Nähmaschinen, die vielen Stoffe… Ich wollte lieber etwas ohne jegliches Material arbeiten, nur ich und mein Laptop – frei, ortsunabhängig, flexibel. Aber was? Ideen gibt es viele, ich habe zahlreiche Ecourse belegt, Blogs und Bücher gelesen. Dort stieß ich auch auf die digitalen Nomadenfamilien, die als „Worldschooler“ um die Welt reisen und unterwegs Geld verdienen (meist mit einem Onlinebusiness). Schule ist ja eh so ein Thema bei uns… Dazu aber an anderer Stelle mehr. Je mehr Erfahrungsberichte ich las, desto schneller wollte ich aufbrechen. Doch es klopfte natürlich auch wieder die gute alte Angst an. Hallo, Angst! Wovor willst du mich denn diesmal beschützen?

Der Weg in die Freiheit

Wie kam es dann plötzlich doch zum Entschluss, alles zu verkaufen und auf große Reise zu gehen? Die zweite Elternzeit war für uns beide sehr frustrierend. Mein Mann war den ganzen Tag auf Arbeit, um andere Kinder zu betreuen – obwohl er lieber bei seinen eigenen Kindern gewesen wäre. Und ich kam nicht zum Arbeiten, weil ich den ganzen Tag mit dem Baby allein zu hause war – so Vieles blieb liegen und ich war einfach nur gestresst und unzufrieden. Ich hatte das Gefühl, plötzlich gar nichts mehr machen zu können.

Eines Tages beschlossen wir dann, unsere beiden Träume zusammen zu werfen: Mein Mann wollte viel Zeit für die Kinder haben und ich mehr Zeit für die Arbeit. Also wurde die Ausbildung meines Mannes erstmal auf Eis gelegt und er ging in Elternzeit. Wir konnten uns die täglichen Aufgaben teilen und ich konnte endlich mal wieder durchatmen. Was für eine Erleichterung für uns alle! Der erste Schritt war schon mal getan und uns ging es deutlich besser als zuvor.

Irgendwann machte es in meinem Kopf „Klick“ und ich dachte: „Hm, jetzt wo wir an keine feste Arbeitsstelle mehr gebunden sind… könnten wir doch eigentlich überall hin?“ Die Idee, eine sehr lange Reise zu machen, nahm immer mehr Gestalt an.

Wir erinnerten uns wieder an unsere Schwedenreise während der ersten Schwangerschaft. Wie sehr wir die Freiheit genossen hatten, den Kontakt zur Natur, das Treibenlassen. Immer weiter sponnen wir unsere Träume, wie wir leben könnten – und entschlossen uns dann, dem Beispiel so vieler inspirierender Reisefamilien folgend – all unseren Besitz zu verkaufen und einfach loszufahren.

Der Countdown läuft! In 25 Tagen geht es los! #skandinavien #sommer

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Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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