Familie

Roadtrip durch Südschweden: Einmal um den Siljansee

Unser Weg in die Freiheit

Heute möchte ich euch von unserem großen Schweden-Abenteuer erzählen. Wir fuhren mit dem Auto von Berlin über Dänemark bis nach Schweden, dann eine Runde um den Siljansee (im unteren Drittel des Landes) und wieder zurück. Insgesamt waren wir drei Wochen unterwegs. Mit dabei: Unser Bauchzwerg Nele, damals im siebten Schwangerschaftsmonat. Was wir alles gesehen und erlebt haben und was uns besonders beeindruckt hat zeige ich euch in diesem ausführlichen Reisebericht. Viel Spaß!

Tag 1: Eine fürstliche Residenz

Nach Feierabend packten wir das Auto, gaben die zwei Miezekatzen in der Pension ab und machten uns auf den Weg nach Kiel, unserem ersten Zwischenstop. Freundlicher Empfang und anschließender Tiefschlaf bei Anita & Moritz, dann am Vormittag Aufbruch zur großen Reise. Dänemark durchquert, im (wohl wegen eines Festivals) völlig überfüllten Malmö eingetroffen – sofortiger Fluchtreflex.

Nachdem das Navi versagte und uns zwischenzeitlich wieder aus Schweden rauskatapultieren wollte (an der letzten Ausfahrt vor der Grenze merkten wir jedoch den Betrugsversuch), fuhren wir ohne Navi weiter und suchten verzweifelt eine Unterkunft. Alles ausgebucht, mittlerweile war es nach 20 Uhr. Letzter Ausweg: Das Best Western in Eslöv für 75 Euro die Nacht. Nun ja, so hatten wir wenigstens eine fürstliche Residenz an unserem ersten Tag.

Dank WLAN im Hotel erfahre ich aus den weiten des Internetz, dass drüben in der Heimat Loriot gestorben ist. Ich trauere, begleitete er mich doch seit meiner Kindheit. Dann Badewanne, schwedisches Fernsehen, Tiefschlaf.


Tag 2: Retro-Chic & Baby-Kick

Ich sitze gerade im Bett einer netten und sehr günstigen Jugendherberge (Lågans Vandrarhem) in der Niemands-Stadt Lågan. Hier ist es schön ruhig und irgendwie urig – die Einrichtung stammt vermutlich noch aus den 70er oder 80er Jahren, was ich ja sehr mag.

Auf die Frage, was man denn hier in der Gegend so anschauen könnte, erwiderte die freundliche Herbergsmama, in dem sie auf eine Karte zeigte: „Also hier ist die Herberge, hier die Pizzeria und hier eine Elchfarm. Ist halt eine kleine Stadt“. Die Pizzeria haben wir bereits erfolgreich getestet und die Elche schauen wir uns gleich morgen früh an. Hier gibt es wunderschöne Häuser! Ich möchte am liebsten sofort einziehen.

Die schönsten Momente des heutigen Tages:

  1. Um mir nach meiner Hungerattacke um 6 Uhr morgens etwas die Zeit zu vertreiben, schmiss ich das alte Macbook an und balancierte es für maximale Bequemlichkeit halb auf dem Tisch, halb auf meinem Bauch. Plötzlich boxt die Kleine doch tatsächlich durch meinen Bauch, so dass das Notebook nach oben springt! Und dann gleich nochmal! Ich war überwältigt (und habe ihr die Last des Notebooks natürlich nicht länger zugemutet).
  2. Der Mann sitzt vor mir auf dem Bett, die frisch gewaschenen Haare in Ermangelung der Wollmütze, die sich irgendwo in den Untiefen unseres Gepäcks befindet, unter einer Unterhose (!) versteckt und spielt Gitarre.

Inspiration für diese Zeilen – thematisch völlig unpassend – das Buch „Modestrecke“ von Les Mads, welches ich soeben zuende gelesen habe. Es war einfach umwerfend und ich hatte sofort Lust, selbst etwas zu schreiben. Vielleicht wird dies tatsächlich ein Blog über mein Leben (ein Thema, das mir 28 Jahre lang zu banal erschien um es schriftlich festzuhalten). Nobody knows.


Tag 3: Store Mosse Nationalpark und eine Hühner-Großfamilie

Was für ein Tag und was für eine lustige neue Unterkunft! Aber der Reihe nach: heute morgen besichtigten wir zunächst die Elchfarm in Lågan, die ich für eine kleine urige Farm hielt, die von echten Schweden bewirtschaftet wird. Das ganze entpuppte sich dann jedoch als Touristenattraktion. Busweise wurden vorallem Deutsche herangekarrt, um ein paar Elche im eingezäunten Gehege zu begutachten und ihr Geld im großzügig ausgestatteten Souvenirshop auszugeben.

Wir machten uns nach Begutachtung der gelangweilt wirkenden Elche schnellstmöglich aus dem Staub und fuhren zum Store Mosse Nationalpark. Im dortigen Naturum hätte man mit viel Glück mithilfe eines Fernglases Vögel beobachten können – wir hatten leider keins und konnten nur Gräser und Bäume erkennen.

Wir entschlossen uns dann, eine kleine Waldwanderung zu einem nahegelegenen See zu machen. Über Stock und Stein hielten wir auch eine Weile an unserem Plan fest, aber aufgrund des schlechten Wetters und meiner beginnenden Totalerschöpfung (sowie akutem Schoko-Mangel) kehrten wir dann doch wieder um und fuhren weiter zur nächsten Unterkunft in Bunn (Vandrarhem i Bunn).

Am Telefon erklärte mir die nette Inhaberin der kleinen Herberge in feinstem Deutsch wie wir die dortige Umleitung (O-Ton: „die reißen hier das Gebirge ab, weil alles runterfällt!“) umfahren könnten. Kurz vor dem Ziel kapitulierte jedoch unser Navi und wir waren auf uns gestellt. Fuhren dann den einzigen vorhandenen Weg, ignorierten sämtliche Verbotsschilder, durchquerten auf einer scheinbar endlosen ungesicherten Straße den Wald und kamen nach 20 Minuten dann urplötzlich an unserer Herberge an. Dort begrüßten uns schon diverse gackernde Hühner samt Nachwuchs, sowie die Hausherrin Gunilla, die uns unsere kleine Hütte, sowie Bad & Küche im angrenzenden Hühnerstall zeigte.

Nach dem wir uns den Sonnenuntergang am See angeschaut haben, genossen wir in unserer Hütte noch ein paar Käsebrote zu schwedischem Elektro aus dem Ghettoblaster und fielen dann ins Bett.

Jedes Huhn und jeder Hahn bekommen hier ein eigens gerahmtes Bild mit Namenskennzeichnung. Finde ich ganz herzerwärmend!


Tag 4: Von Steinen, Schlössern und einem grandiosen weißen Flügel

Sind heute von der netten Hühnerfrau aufgebrochen nach Gränna, wo lustige Zuckerkringel & Bonbons hergestellt werden.

Hier gab es eine ziemlich traumhafte Aussicht…

… und tolle Produktverpackungen.

Auf der Weiterfahrt machten wir Pause am schönsten See der Welt.

Haben noch den Hafen besichtigt und sind dann nach Rök aufgebrochen, wo es laut Karte eine wahnsinnig aufregende Sehenswürdigkeit geben sollte. Im Endeffekt gab es dort nur einen – wenn auch bedeutsamen – Stein zu besichtigen (den sogenannten Rökstenen). Die ältesten Runen der Welt oder sowas.

Wir mussten unsere Gemüter daraufhin erstmal mit Eis besänftigen und brachen dann auf zur großen Attraktion des Tages: das Renaissance-Schloss in Vadstena.

Das Highlight dort: in einem riesigen Saal im 1. Stock stand ein weißer Kawai-Flügel, unverschlossen, perfekt gestimmt und weit und breit keine Menschenseele. Ich musste ein wenig in meinem Gehirn kramen, bis mir die zwei Bachstücke (ohne Noten!) wieder einfielen, aber es klappte dann doch und der Raumklang war einfach atemberaubend!

Dann wollten wir natürlich auch den Rest des Schlosses besichtigen, doch im nächsten Raum wurden wir jäh von der Dame an der Rezeption unterbrochen, die plötzlich in der Tür stand. Ob uns denn niemand gesagt hätte, dass das Schloss um 16 Uhr geschlossen wird – wir mögen doch jetzt bitte gehen. Dann haben wir den Eintritt eben wenigstens für das Klaviererlebnis bezahlt.

Nach unserem „Rauswurf“ schlenderten wir noch ein bisschen an der Uferpromenade entlang und machten uns dann auf den Weg ins 170km entfernte Filipstad, wo eine Herberge samt Camping der deutschen Familie Munkeberg auf uns wartete. Da mein Mann Philip heißt, wollte er natürlich unbedingt eine Nacht in der nach ihm benannten Stadt verbringen (logisch!). Endlich mal wieder ein Doppelbett!

Habe mich beim Duschen versehentlich im Spiegel gesehen und war geschockt über den immensen Bauch. In 14 Wochen ist die Kleine schon da!


Tag 5: Hüttensuche und jede Menge bunte Holzpferde

Gestern stundenlange Autofahrt nach Mora – dortige Besichtigung großer Holzpferde, Suche einer Hütte am Siljansee. Erfolg! Und Müdigkeit. Auf dem Weg grandiose Fotos an einem See gemacht und zwei Kilo Pilze gesammelt.

Unsere Hütte liegt im kleinen Dörfchen Vikarbyn zwischen Mora und Rättvik. Außerdem gibt es hier einen tollen Bootshafen. Unser Häuschen: urgemütlich! Ich habe gleich mal Blaubeer-Eierkuchen herbeigezaubert.

Der Mann des Hauses plant die weitere Reiseroute.

Aus dem Fenster unseres Häuschens haben wir einen wunderbar grünen Ausblick. Das Wetter schwankt momentan mehrfach täglich zwischen Gewitter und strahlendem Sonnenschein hin und her.

Haben uns dann noch die Dalapferd-Fabrik in Nusnäs angeschaut. Viele Farbkleckse, ganz nach meinem Geschmack.

Ich liebe es, wenn Kreativität in der Luft liegt und alles voller Farbe ist!

Leider auch hier wieder tonnenweise Touristen, weswegen wir uns schnell aus dem Staub machten, um uns Mora nochmal genauer anzuschauen. Bei absolutem Mistwetter schlenderten wir durch den Zorns Gården (Herr Zorn war Maler), schauten uns die Kirche von Mora an, in der jemand wundervoll Orgel spielte und gingen dann lecker indisches Buffet essen.

Außerdem warfen wir noch einen Blick auf den nahe Rättvik gelegenen Matsgården, einer alten Siedlung mit Holzhäusern (die es in Schweden oft zu sehen gibt – wunderschön!).

Heimreise, den Mann im Monopoly abgezockt, 20 Postkarten geschrieben, ins Bett gefallen. Puh!


Tag 6: Wilde Tiere, eine versteckte Orgel und ein atemberaubender Wasserfall

Punkt Eins auf der Tagesordnung: der „Björnpark“ in Orsa, Europas größter Bärenpark. Hier gibt es Bären, Wölfe, Luchse, Tiger und Eisbären. In der Theorie werden die Tiere dort im natürlichen Lebensraum in großen Gehegen gehalten. In der Realität wirkten die immensen doppelten Zäune, Gitter und Verglasungen jedoch alles andere als natürlich. Die Tiere wirkten auch nicht sonderlich glücklich über ihr zuhause und wir verließen den Park sehr betroffen nach kurzem Aufenthalt wieder. Ich werde es wohl nie verstehen, warum man Tiere einsperren muss.

Doof gucken kann ich gut!

Anschließend begaben wir uns auf die lange Suche nach der Kapelle in Hornberga, in welcher man laut Prospekt herzlich eingeladen ist, die Orgel auszuprobieren. Leider verzeichnet unsere extra angeschaffte Skandinavienkarte fürs Navi längst nicht alle Orte und so war auch Hornberga wiedermal nicht darauf. Mit unserem Kartenmaterial aus dem Touristenbüro fanden wir das kleine Dörfchen samt der besagten Kapelle dann schließlich doch und waren mal wieder allein auf weiter Flur. Kein Mensch weit und breit, die Kapelle unverschlossen, die Orgel wartete schon auf uns. Trotz mehrjährigem Klavierunterricht fiel es mir dann aber doch recht schwer, das Fußregister gleichzeitig mit der normalen Tastatur zu spielen. Dem Mann gelang das irgendwie besser und der Klang war wirklich atemberaubend.

Ganz in der Nähe von Hornberga wollten wir dann noch den Hervetesfallet, einen Wasserfall, besuchen, welcher samt aller angrenzenden Ortschaften natürlich wieder nicht auf der Navi war. Per Trial & Error gelangten wir aber auch hier zum Ziel und überlebten sogar den unbefestigten Steilhang über Stock und Stein, an dessen Ende wir mit einem tollen Ausblick über den Wasserfall im Tal belohnt wurden.


Tag 7: Freiluftbühne im Kalksteinbruch Dalhalla, ein endloser Steg und ein Blick von oben

Heute haben wir endlich das berühmt-berüchtigte Dalhalla besichtigt, eine Freiluftbühne in einem stillgelegten Kalksteinbruch.

Erstaunt stellten wir fest, dass 2006 Sigur Ros hier aufgetreten waren – das Konzertplakat hing im Eingangsbereich der Rezeption. Das muss ja unglaublich toll gewesen sein! Die Location ist jedenfalls der Hammer und die Akustik bei einem Konzert sicherlich auch.

Danach fuhren wir noch nach Vidablick, wo es einen Aussichtsturm mit überwältigendem Blick über den Siljansee gab.

Nach einem kurzen Abstecher nach Rättvik, wo wir einen langen Steg ins Wasser entlang spazierten (die 628 Meter lange „Langbryggan“), fuhren wir dann nach Hause und entgingen somit knapp einem Jahrtausendgewitter.

Tag 8: Urige Häuser, eine melancholisch gelegene Kirche am See und ein Wasserfall

Ausflug nach Rättvik. Postkarten abgeschickt, Rättviks Gammelstan (leider nur von außen), ein kleines Heimatsmuseum mit historischen Fotos und die Kirche besichtigt.

Dann das Touristenbüro nach den Öffnungszeiten weiterer Sehenswürdigkeiten befragt. Die nette Dame an der Rezeption erkläre uns dann, dass außerhalb der Saison leider fast nichts mehr geöffnet habe, schlug uns jedoch einen Ausflug nach Norrboda vor, wo es ein weiteres Dorf aus dem 17. Jahrhundert geben sollte.

Auf dem Weg konnten wir dann noch den Wasserfall Styggforsen und das angrenzende Naturreservat anschauen. Auf dem Weg haben wir tolle Seefotos gemacht, die Tour um den Wasserfall samt Trollhöhle überlebt und uns schließlich wegen strömendem Regen wieder in unsere Hütte in Vikarbyn begeben.


Tag 9: Bunte Malereien, ein verzauberter Garten und der schönste Strand der Welt

Der Herr des Hauses hat heute Geburtstag. Zum Frühstück gab es deshalb lecker Blaubeertorte und Eierkuchen. Dann gings zum Ausflug nach Leksand, wo wir uns im Kulturhus traditionelle Dala-Malereien & -Kostüme ansahen.

Danach fuhren wir zu Munthe’s Hildasholm, einem wundervoll gestalteten, märchenhaft verwinkelten Garten. Der Garten wurde 1910 vom Schriftsteller und Doktor Axel Munthe als Sommerresidenz für seine Frau Hilda und die zwei gemeinsamen Söhne errichtet. In Hildasholm gibt es viele kleine versteckte idyllische Plätze, die man beim Rundgang nach und nach entdecken kann.

Auch das Freilichtmuseum Leksand, Dalarnas ältesten Heimathof, ließen wir uns nicht entgehen – leider waren die Häuser jedoch wieder nur von außen zu besichtigen (Saison vorbei). Dennoch konnten wir einen kleinen Blick auf die Häuser und Scheunen erhaschen, welche in mittelalterlicher Holzbautechnik errichtet sind.

Nach lecker Thai-Buffet ging es dann noch nach Tällberg, wo wir direkt am Strand landeten und von Landschaft & Wetter völlig hingerissen waren. Der Herr des Hauses erklomm schwimmend eine Insel und wir fütterten die sehr zutraulichen putzigen Entlein mit Keksen.

Zeit zu packen – morgen verlassen wir unser gemütliches Häuschen am Siljansee und fahren so langsam zurück in die Heimat. Erster Stop: Die Bergwergstadt Falun. Sind gespannt!


Tag 10: Bergwerk-Tour und Herkunft des Schweden-Rot’s

Haben heute in Falun die Kristine Kyrka (supertoll!) und die Stora Kopparbergs kyrka (nur so mittel spannend) besichtigt.

Dann kam der Knaller: eine Führung durchs Kupferbergwerk (Falu Gruva)! 67 Meter unter der Erde bei 5°C und fast keiner Beleuchtung – der absolute Wahnsinn! Da mein Schriftsteller-Opa ja mal für kurze Zeit in der Wismut untertage gearbeitet hat, war die Erfahrung der Arbeitsbedingungen in einem Bergwerk besonders spannend.

Direkt neben der Falu Gruva steht übrigens die Fertigungsanlage für die typisch schwedische rote Farbe (Falu Rödfärg). Die Farbe wird aus einem Mineral gewonnen, das in der Grube zuhauf vorkommt (habe den Namen leider vergessen). Dieses wird dann gemahlen und mehrere Male geröstet, dann z.b. mit Mehl und Öl angerührt und kann dann bereits als Farbe verwendet werden. Aufgrund der konservierenden Wirkung des Minerals sind soviele schwedische Hütten und Bauwerke bis heute gut erhalten.

Auf der Suche nach unserer heutigen Herberge landeten wir zunächst in Borlänge, das wir jedoch fluchtartig wieder verließen. Kein einziger Schwede auf den Straßen, dafür aber einige düstere Gestalten. Wir hatten nur mäßig Bock, unser Auto am nächsten Tag demoliert, leergeräumt oder gar nicht mehr vorzufinden. Sind dann doch wieder Richtung Falun nach Vassbo gefahren, wo es eine Herberge mit Internet gab. Äußerlich ziemlich cool, superstylische Einrichtung in den Fluren und Sofaecken.

Leider dezent überteuert mit Mini-Bad, in dem man nichts unterstellen konnte und einem höllischen Gestank von den umliegenden Feldern im Zimmer, der nicht wegzukriegen war. Haben dann auch gleich mal das Internet malträtiert und Facebook mit ein paar Urlaubsfotos gefüttert – als Leckerbissen für die daheim gebliebenden Nicht-Urlauber. Die erhoffte „aaah, wie toll“, „superschön“ – Kommentarflut blieb jedoch leider unverständlicherweise aus. Morgen fahren wir nach Avesta und besichtigen auf dem Weg den Östra Silvberg – was es damit auf sich hat, erfahrt ihr dann morgen.


Tag 11: Die abenteuerliche Reise zur Silbergrube und eine wunderbare Reise in die Vergangenheit

Sind am frühen Morgen aus der miefigen Herberge geflüchtet und begaben uns auf den Weg zur Silbergrube, einem von Felsen umrandeten kobaltblauen See. Unser Navi kannte mal wieder keinen der umliegenden Orte und so fuhren wir 1,5 Stunden durch die Umgebung der Grube, von der wir nur eine grobe Karte hatten. Nirgends fanden wir ein Hinweisschild und da ich immer hungriger wurde und die Hormone ihr Übriges taten, war ich bald ein nerviges, grummelndes Wrack und wir brachen die Suche kurzerhand ab.

Plan B: Das Touristenbüro in Säter. Mit unzähligen neuen Karten ausgestattet (und einem zum bersten gefüllten Magen vom lecker Lunch-Buffet), schauten wir uns dann zunächst das Säter‘ Heimatmuseum Åsgårdarna, eine kleine sehr gut erhaltene Siedlung mit 23 Gebäuden und 6300 Gegenständen aus dem 17. Jahrhundert an. Besonders überwältigt waren wir von den Wohnräumen, die komplett mit Dala-Malereien verziert waren. Auch witzig: Damals haben die Menschen im Sitzen geschlafen, weil sie dachten dass im Liegen das Blut in den Kopf läuft und sie daran sterben. Deshalb sind die Betten auch so klein.

Dann ging es endlich weiter zur Silbergrube (Öster Silvbergs gruva), die wir diesmal auf Anhieb fanden und beherzt auf unsere digitale Kamera bannten.

Schlussendlich fuhren wir dann in unsere neue Unterkunft in Avesta – heute mal wieder sehr schön und zu dem günstig. Haben sogar WLAN direkt auf dem Zimmer – ein absolutes Novum. Daher für mehrere Stunden Facebook traktiert und Kontakte in die Heimat aufleben lassen. Nur mäßiger Neid über unseren tollen Urlaub. Die sind alle doof.


Tag 12: Moderne Kunst in einem alten Eisenwerk und die Reise zum Lustgarten Schwedens

Der lautstarke Zimmernachbar in unserer Herberge weckte uns bereits gegen sieben Uhr, weswegen wir schon recht früh aufbrachen, um uns Avesta anzuschauen.

Übrigens hatten wir diesmal eine richtig süße Herberge, in der auch viele reisefreudige Senioren untergebracht waren – sehr niedlich!

Auf dem Weg in die Stadt fuhren wir jedes Mal an einer wunderschönen Kirche vorbei.

Zuerst fuhren wir ins Koppardalen (Kupfertal) im Norden der Stadt. Dort kann man ein Eisenwerk („Verket“) besichtigen, in welchem momentan eine einmalige Ausstellung (Avesta Art 2011) stattfindet. Bereits 9 mal fand die Avesta Art seit 1995 statt und zeigte in dieser Zeit bereits Arbeiten von 141 Künstlern. Einige der Werke aus älteren Ausstellungen sind noch immer zu sehen.

Das diesjährige Thema der Avesta Art ist „Enchanted“, inspiriert von den Erfahrungen viele Besucher, die von der Magie und Mystik der alten Eisenwerke fasziniert waren. Inmitten der alten Fabrikhallen mit Schienen, Metallwagen, Werkzeugen und riesigen Hochöfen werden die Kunstwerke präsentiert – wodurch sich die Grenze zwischen Industrie und zeitgenössischer Kunst beinahe auflöste. Die Künstler der diesjährigen Avesta Art greifen das Jahresthema mit verschiedenen Medien/Materialien auf, wodurch ein spannender Mix aus Fotografien, Malereien, Skulpturen aus Wachs, Metall und Glas entstanden ist.

Außerdem schauten wir uns noch die Döda Fallen („die toten Wasserfälle“) an und machten wir uns dann auf zu unserer nächsten Station:

Katrineholm, der „Lustgarten Schwedens“. Diese Bezeichnung stammt aus Selma Lagerlöfs Kinderbuch-Klassiker „Nils Holgersson“. Im Park des Gutshofs Stora Djulö an der Küste zum See Djulösjön (den wir morgen besuchen werden), lässt sich der Däumling von der Schönheit der Landschaft verzaubern und prägt dabei den Ausdruck „der schöne Lustgarten“.

Heute haben wir bereits das Barockschloss Ericsberg besichtigt, eines der größten Güter des Landes. Da das Schloss in Privatbesitz ist, kann man es jedoch nur von außen anschauen. Geöffnet ist hingegen jedoch der sehenswerte Schlosspark.


Tag 13: Über den Ramunderberg bis zu den Schären

Heute morgen aufgebrochen zum direkt neben unserer Herberge liegenden Herrenhaus Stora Djulö (Herrgard), einem Gutshof mit Garten aus dem 18. Jahrhundert direkt am Ufer des Djulösjön-Sees. Alles an allem jedoch nicht so spektakulär wie erwartet.

Dann sind wir noch ein Stück weiter zum Gatstuberg gefahren, um den sich viele Sagen und Mythen ranken (so soll dort zum Beispiel ein Troll hausen).

Natürlich kletterten wir auch hinauf und genossen die Aussicht vom Berg. Den Troll haben wir leider nicht gesehen, aber er hat sich sicherlich nur versteckt.

Da wir heute noch ein ordentliches Stück Wegstrecke abhaken wollten, fuhren wir dann gleich weiter durch die Seenlandschaft in Södermannsland bis nach Finspång.

Dort bekamen wir plötzlich Lust auf Meer (und Schären) und fuhren dann direkt an die Ostküste. Auf dem Weg machten wir kurz in Söderköping halt, um uns den Ramunderberg (auf dem der Sage nach der Riese Ramunder lebt), einen 73m hohen, fast senkrechten Steilfelsen am Götakanal anzuschauen. Von oben hat man einen tollen Blick über Söderköping und die üppige Vegetation auf dem Berg ist überwältigend – ein Aufstieg lohnt sich also in jedem Falle!

Da wir direkt an der Küste übernachten wollten, fuhren wir dann noch ein Stück weiter bis nach Tyrislöt, das laut Reiseführer eine „Schärenlandschaft wie im Bilderbuch“ beherbergt.

Jetzt sitzen wir hier in unserer Mini-Hütte (es passen gerade so 2 Betten rein) und hören hinter uns das Meer rauschen. Morgen früh vor der Abreise wollen wir uns dann noch ein Boot mieten und ein bisschen die Schären erkunden, dann soll es weitergehen zur Holzstadt Eksjö in Småland.


Tag 14: Bootstour durch die Schären und Reise in die Holzstadt Eksjö

Was für ein Erlebnis! Die Bootstour zu den Schären war trotz sehr starkem Wind und eher mittelmäßigem Wetter megaspannend.

Wir wurden richtig schön durchgeschüttelt und nassgespritzt, bestiegen unterwegs eine Schäre (ob es dort Bären gibt? Die dortigen Heidel- und Brombeersträucher, von denen die Insel komplett überwuchert war, waren seltsam „abgegrast“) und kamen nach 2 Stunden als begossene Pudel zurück an Land. Nach dem wir uns trockene Klamotten angezogen hatten, fuhren wir bei tollstem Wetter die Berg- und Tal-Schlängelstraße durch Småland, vorbei an Astrid Lindgrens Welt in Vinnerby bis nach Eksjö. Dort schlenderten wir noch ein wenig durch die wunderschöne Altstadt mit den engen Gässchen und dicht aneinander gereihten kleinen Holzhäuschen…

… und suchten dann unsere heutige Herberge auf: Eksjö Camping direkt am See. Bis auf die Duschen (man muss alle 5 Sekunden den Buzzer drücken, damit das Wasser weiterläuft) gefällt mir der Campingplatz inkl. unserem Häuschen sehr gut. Plan für morgen: möglichst weit Richtung Heimat kommen.

Was mir im Übrigen sehr positiv hier in Schweden aufgefallen ist: Wenn man in eine der wirklich überall befindlichen Pizzerien geht, bekommt man immer eine frisch selbst zubereitete und zudem sehr große und extrem leckere Pizza serviert. In Deutschland wird an solchen „Imbissen“ ja meist nur Fertigzeug in die Mikrowelle gesteckt.


Tag 15: Its all about Vintage – Riesen-Trödelmarkt, IKEA und ein spektakulärer Autofriedhof

Der letzte Tag unseres Urlaubs ist angebrochen. Mit einer Träne im Knopfloch machten wir uns auf den Weg zu unserer heutigen ersten Station, dem Trollbaum bei Torpa. Früher gingen die Menschen dort hin, weil die magischen Kräfte des Baum angeblich Zahnschmerzen heilen konnten. Uns tat zwar nichts weh, aber wir waren dennoch gespannt auf den sagenumwobenen Baum mit seinen interessanten Strukturen. Nun – dezent ernüchtert waren wir dann schon, denn fast hätten wir ihn übersehen. Er steht eher unscheinbar im Wald und ist recht dünn und komplett kahl (wir hatten beim Begriff „Trollbaum“ natürlich einen massiven wuchernden mystischen Riesenbaum erwartet). Aber die Strukturen des Stamms waren dann doch ein kleines bisschen spannend.

Dann fuhren wir weiter zu Annas Kuriosa in Hamneda, einem riesiger Antik- und Trödelmarkt mit Kultstatus. Wirklich beeindruckend, was die gute Dame da alles gesammelt hat. Es gibt 5 große Häuser voller Antik-Möbel und allerhand Kleinkram zu begutachten (und zu kaufen natürlich). Darunter auch ein paar echte Prachtstücke, wie z.b. eine Couch samt Stühlen mit tollem blauem Ornamentbezug und handbemalte große Schränke und Truhen. Da wir aber leider ausnahmsweise mal keinen Lieferwagen dabei hatten und auch mittlerweile knapp bei Kasse waren, konnten wir uns nur ein paar alte Blechdosen leisten.

Nächster Halt: Älmhult, die Wiege IKEAs. Hier entwickelte Ingvar Kamprad seine ersten IKEA-Möbel und feierte damit weltweit Erfolge. Eine aktuelle Ausstellung zeigt die Geschichte IKEAs seit den 50 Jahren, mit vielen alten Katalogen und Möbeln – der Wahnsinn! Für mich als Retro-Fan waren die Einrichtungen aus den späten 50ern und 60ern der absolute Knaller. Würd ich sofort alles kaufen und mir genau so hinstellen. Ich bitte hiermit offiziell und ausdrücklich um eine IKEA Vintage-Kollektion!

Auch Schweden scheint uns nachzuweinen, denn es regnete den ganzen Tag in Strömen. Wir machten uns auf den Weg zur letzten Station für heute: dem Autofriedhof in Ryd. Juhu, mal wieder keine Beschilderung! Nach langer Suche und der Befragung einiger Ureinwohner fanden wir ihn dann aber gottseidank doch noch. Auf dem Parkplatz stand nur ein weiteres Auto: ein VW-Bus aus Berlin. Ha, Artgenossen! Ein eindeutiger Beweis dafür, dass Berliner die Coolsten sind (neulich die zugehörige Facebook-Gruppe „Ich komme aus Berlin, ich bin automatisch cooler als du“ entdeckt, haha!). Doch nun zum Friedhof: Absolut krass und einmalig! Da liegen tatsächlich mehrere hundert zum Teil bestimmt 60 Jahre alte Autos und rosten im Wald vor sich hin. Der absolute Nostalgie-Flash. Ich knipste bestimmt eine Stunde lang Fotos, bis ich dann mit beiden Schuhen wadentief im aufweichenden Wald versank und den Rückzug antrat.

Unsere heutige Unterkunft befindet sich in Våmba und ist ausnahmsweise mal sehr schick eingerichtet. Die Ausstattung ist sehr gut, die Vermieter sehr freundlich und die Preise gehen gerade noch so.

Morgen geht es dann nach Malmö über die Öresundbrücke, durch Dänemark und dann zurück in die Heimat. Bin ich gespannt, was die Katzen sagen! Hoffentlich sind sie nicht allzu sauer, dass wir sie so lange in fremde Hände gegeben haben.


Zuhause in Berlin packte uns ziemlich heftiges Heimweh. In Schweden war es so schön ruhig und entspannt gewesen! Aber mit Ruhe und Entspannung war es sowieso erstmal vorbei. Unser kleiner Bauchzweg kam sieben Wochen zu früh auf die Welt, also relativ kurz nach unserer Schwedenreise :)

Wir wollen aber auf jeden Fall nochmal dort hin (logisch, oder?) !

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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