Selbstbestimmt Arbeiten, Selbstfindung

Plädoyer für mehr Familienzeit

Plädoyer für mehr Familienzeit

Zeit für die Familie ist wichtig, das wissen wir alle. Unsere Kinder brauchen uns für ihre gesunde Entwicklung. Sie wollen bei uns sein, mit uns spielen, von uns lernen, einfach den Alltag mit uns erleben. Das gilt sowohl für die ganz kleinen als auch für die größeren Kinder, die schon etwas selbstständiger sind.

Der Hauptgrund, warum wir auf unsere lange Reise aufgebrochen sind, war die fehlende Zeit als Familie. Der Ablauf war jeden Tag der gleiche: Mit Zeitdruck aufstehen und fertig machen für die Kita, dann schnell auf die Arbeit und nach der Arbeit rechtzeitig zurück sein bei der Kita. Wir waren so eingespannt im Hamsterrad, dass wir am Tag nur wenige gemeinsame Stunden miteinander verbringen konnten. Auch der enge Zeitplan der Kita störte uns – und vorallem unsere Tochter, die einfach einen ganz anderen Rhythmus hatte und sich sehr schwer mit den dortigen Strukturen tat. Dass unser Sohn (derzeit 1) nicht in die Kita gehen sollte, stand für uns sehr schnell fest. Warum wollen wir Kinder bekommen, wenn wir sie dann den ganzen Tag fremdbetreuen lassen sollen? Das macht für uns keinen Sinn.

Wir sind sehr gerne als Familie zusammen, den ganzen Tag. Dabei muss gar nicht immer irgendwas Besonderes passieren. Wir möchten einfach nur gemeinsam unser Leben leben und uns nicht in Strukturen pressen lassen, die nicht unserer Natur entsprechen. Strukturen, die sich jemand anderes für uns ausgedacht hat, nicht wir selbst.

Ich bin mir sicher, dass eigentlich alle Eltern viel Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten. Viel mehr Zeit als in den allgegenwärtigen Strukturen möglich ist. Wir haben Kinder gesehen, die um Sieben in der Kita abgegegen werden und erst um Fünf wieder abgeholt werden. Das sind 10 Stunden Fremdbetreuung! 10 Stunden, in denen dein Kind lacht und weint, zahlreiche Dinge erlebt, Neues lernt – aber nicht bei seinen Eltern ist. Viele Stunden von denen sich viele von uns einreden, wir könnten sie nicht mit unseren Kindern verbringen, weil das System „eben so ist“. Das machen halt alle so. Man muss ja schließlich auch Geld verdienen und will seinen Arbeitsplatz sichern. Dieses Dilemma finde ich schrecklich. Es werden viel zu wenig alternative Möglichkeiten aufgezeigt – und es wird Angst geschürt.

„Wenn du nicht gleich nach der Elternzeit wieder arbeitest, verlierst du vielleicht deinen Job.“
„Dein Kind darf nicht zu oft krank werden, denn die Krankentage von Angestellten sind knapp bemessen.“
„Du brauchst viel Geld, um ein Kind großzuziehen – am besten müssen daher beide Elternteile arbeiten.“

Was ist eine „glückliche Familie“?

Durch die Medien wird das Bild von „glücklichen Familien“ geschürt – dazu braucht es ein schönes Haus im Grünen, ein großes Familienauto, tolle Urlaube, schicke Möbel, die neusten Spielsachen. Dieses Bild wird in den Köpfen verankert und steuert unsere Handlungen. Klar, dass wir für all das viel Geld benötigen. Mehr Geld, als ein mittelständischer Angesteller nach Hause bringen kann. Also müssen eben beide Elternteile Arbeiten, für das große Ziel „glückliche Familie“. Ich frage mich, ob diese nicht auf dem Weg dorthin kaputt gemacht wird, weil die stark eingespannten Eltern viel zu wenig Zeit für ihre Kinder haben.

Doch richten wir den Fokus neu aus: All das geschieht aus Liebe. Darauf wollen wir uns konzentrieren. Alle Eltern lieben ihre Kinder und wollen das Beste für sie. Doch was ist das Beste? Materielle Güter, tolle Urlaube, Markenklamotten & Co? Oder einfach eine schöne gemeinsame Zeit mit Mama und Papa – Zeit, um ernst genommen zu werden, über die Sorgen des Alltags zu reden oder einfach zusammen Spaß zu haben. Ist dir schon mal aufgefallen, dass Kinder ihre Sorgen erst nach einiger Zeit von selbst ansprechen? Nicht in den zwei Stunden die zwischen Kita-Schluss und Abendbrot bleiben – sondern an Tagen, an denen man sehr viel entspannte Zeit miteinander verbringt. Wenn dauerhaft von einem Termin zum nächsten gehetzt wird, kann der Kontakt verloren gehen. Die Kinder wollen die wenige freie Zeit mit den Eltern nicht belasten und unterdrücken ihre Sorgen.

Ich möchte dazu anregen, diese Standards und Glaubenssätze mal zu hinterfragen. Orientiere dich immer nur an dir und deinen Bedürfnissen bzw. an den Bedürfnissen innerhalb eurer Familie. Konzentriert euch auf die Liebe innerhalb eurer Familie, die es zu beschützen gilt. Was die anderen um euch herum machen, ist egal – am Ende geht es nur um euch. Es ist euer Leben! Nicht das der Anderen.

Ich habe ein kleines kostenloses E-Book mit einigen Denkanstößen und Ideen für einen alternativen Umgang mit Zeit und Arbeit geschrieben. Vielleicht ist es ja was für dich:

E-Book "Mehr Zeit für die Familie

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

7 Gedanken zu „Plädoyer für mehr Familienzeit“

  1. Claudia sagt:

    Liebe Julia,

    du sprichst mir so sehr aus der Seele! Ich sehe das ganz genauso. Momentan erwarte ich unser erstes Baby und mir gefällt der Gedanke auch gar nicht, nach einem Jahr wieder in meinen festen Job zurück zu müssen und das Kind in fremde Hände zu geben. Gerade in den ersten Jahren verpasst man doch soviel bei den Kleinen… dein Blog ist wirkliche eine wahre Inspiration für mich! Ich hoffe, ich finde auch so eine tolle Lösung wie du!

    Liebe Grüße aus Potsdam
    Claudia

  2. Stephan sagt:

    Hallo Julia,
    ein toller Weckruf, den ich genauso unterschreibe.
    Wir haben für unsere Familie beschlossen, dass die gemeinsame Zeit das wichtigste ist. Um diese Entscheidung herum haben wir dann unser Leben und damit auch unsere Arbeit aufgebaut.
    Natürlich soll es jeder auf seine Weise handhaben. Ich finde es aber – genauso wie du – schade, wenn man keine Zeit für die eigenen Kinder. Und das nur, weil man ein von außen vorgegebenes Bild versucht zu erfüllen.

    Viele Grüße,
    Stephan

    1. Julia sagt:

      Hallo Stephan, das freut mich sehr. Ich finde es super, dass ihr so „mutig“ (oder einfach nur natürlich? :) ) seid. Wie genau teilt ihr denn die Zeiten auf?

      Liebe Grüße,
      Julia

      1. Stephan sagt:

        Wir haben für uns entschlossen, dass wir unsere Tochter morgens in den Kindergarten geben, damit sie den Umgang mit anderen Kindern lernt. In der Zeit arbeiten meine Frau und ich. Mittags holen wir sie ab und nachmittags verbringen wir Zeit zusammen.
        Wenn die Kurze dann abends im Bett ist, arbeiten wir nochmal, falls noch etwas anliegt.
        Das ist natürlich Luxus, aber wir haben uns für diesen Weg entschieden und dann nach Wegen gesucht, wie wir es umsetzen können.
        LG
        Stephan

  3. Julia sagt:

    Das klingt nach einem super Plan! Was arbeitet ihr beide denn, wenn ich fragen darf? Wie macht ihr das an den Wochenenden? Wird dann nochwas „nachgearbeitet“? Damit hadere ich momentan, da ich in der Woche nicht soviel schaffe, wie ich mir vorgenommen habe ;)

    Liebe Grüße,
    Julia

  4. Stephan sagt:

    Meine Frau arbeitet als Lehrerin mit zum Glück freien Nachmittagen. Ich bin Blogger und Texter, also Freelancer. Diese Konstellation gibt uns sehr viel Spielraum (auch wenn man das bei einer Beamtin eigentlich nicht erwartet). Am Wochenende sind wir beide meistens auch noch am Schreibtisch, aber keinen ganzen Arbeitstag. Das geht bisher gut auf.
    Liebe Grüße,
    Stephan

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