Selbstfindung

Öfter mal Fehler machen: Eine Ode ans Scheitern

Öfter mal Fehler machen: Eine Ode ans Scheitern

Die meisten Menschen haben Angst vor dem Scheitern. Sie fühlen sich als Versager, wenn etwas nicht klappt, oder sie einen Traum wieder aufgeben müssen. In meinen Augen gibt es kein Versagen, kein Scheitern. In diesem Beitrag erkläre ich dir, warum.

Dieser Beitrag erschien zuerst im März 2015 auf meinem Blog Kreativlabor Berlin.

Nichts bringt dich weiter, als etwas auszuprobieren und dann festzustellen, dass es doch nicht das Richtige war! Wie oft hast du schon gedacht „Hätte ich mich doch nur getraut, ihm/ihr meine Liebe zu gestehen“, „Würde ich doch nur den Mut aufbringen, mein Hobby zum Beruf zu machen“ oder „Könnte ich doch nur die Zeit zurückdrehen“?

Ich persönlich finde Scheitern super. Ich bin schon viele Male gescheitert und sehr froh darüber. Nach einer anfänglichen kurzen Welle negativer Gedanken hat mich bisher jedes Scheitern weitergebracht und ich bin sehr dankbar darüber, jede einzelne Erfahrung des „Versagens“ gemacht haben zu dürfen.

Wer ist letztendlich mehr gescheitert? Jemand, der sein Leben an eine Karriere verkauft und jeden Tag unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, oder jemand, der seinen Lebenstraum zumindest in Angriff genommen hat? Catharina Bruns, workisnotajob.

Jedes „Scheitern“ macht Platz für einen Neuanfang. Eine Tür geht zu und eine neue öffnet sich. Ich habe schon viele Projekte gestartet und wieder auf Eis gelegt. Hat es mir geschadet? Im Gegenteil! Jedes beendete Projekt verschaffte mir die Möglichkeit, etwas Neues zu starten – etwas, das mir mehr Freude bringt und meinen Bedürfnissen besser entspricht. Hier ein kleiner Auszug aus meinem Lebenslauf des „Scheiterns“:

Zweitstudium? Oder auch nicht.

Vor ein paar Jahren hatte ich den drängenden Wunsch, Fotografie zu studieren. Der Gedanke daran ging mir jahrelang im Kopf herum und ich dachte: Wenn ich es nicht wenigstens probiere, werde ich mir ewig Vorwürfe machen! Während ich also bereits Vollzeit als selbstständige Webdesignerin arbeitete, steckte ich viel Zeit in meine Mappe und bewarb mich. Ich wurde abgelehnt. Doch anstatt aufzugeben, habe ich eine noch bessere Mappe erstellt, mich nach weiteren Studienorten umgesehen und mich dann erneut beworben. Meine zweite Bewerbung war erfolgreich, ich wurde angenommen und das auch noch in meiner Traumstadt Berlin! Also zog ich in die Hauptstadt und begann zu studieren. Es war eine Privatschule und um alle Unkosten zu decken, musste ich nebenbei viel arbeiten. Meine Webdesign-Firma wurde dadurch immer erfolgreicher und nach kurzer Zeit steckte ich täglich in Büros großer Agenturen anstatt in der Fotografieschule. Also brach ich das Studium wieder ab und widmete mich meiner Selbstständigkeit bzw. dem wilden Leben in Berlin. Bereut habe ich bis heute keine dieser Entscheidungen. Ohne meine Bewerbung wäre ich niemals nach Berlin gekommen, hätte meinen Mann nicht kennengelernt und meine wunderbare Tochter nicht bekommen!

Meine erste Firma

Meine eigene Webdesign-Firma lief richtig gut, ich hatte täglich mit Kreativen verschiedenster Branchen und mit namhaften Kunden zu tun. Ich verdiente genug und fühlte mich „erfolgreich“. Aber als ich dann in Elternzeit ging kam alles anders. Das Elternjahr neigte sich dem Ende zu und der Gedanke an meine „ehemalige Arbeit“ erfüllte mich mit Angst und Panik. Ich bekam richtige Angstattacken und wollte auf keinen Fall in diesen Beruf zurück. Also bestellte ich mir haufenweise Bücher zum Thema Selbst- und Berufsfindung und arbeitete jedes einzelne von vorn bis hinten durch. Danach stand für mich fest: Ich möchte meine Firma aufgeben und in einem ganz neuen Bereich nochmal von vorn starten. So kam es 2012 zur Gründung meines Kreativblogs und Schnittmuster-Labels Kreativlabor Berlin. In der Zeit mit meinem Label habe ich zahlreiche wunderbare Menschen getroffen und viel über das Bloggen, meine Berufung und Talente gelernt. Am Wichtigsten war für mich zu sehen, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es will. Das alles wäre ohne die „Aufgabe“ meiner ersten Firma nicht möglich gewesen.

„Einen Versuch wagen und dabei scheitern bringt zumindest einen Gewinn an Wissen und Erfahrung. Nichts riskieren dagegen heißt einen nicht abschätzbaren Verlust auf sich nehmen – den Verlust des Gewinns, den das Wagnis möglicherweise eingebracht hätte.“ Chester Barnard

Meine zweite Firma

Scheinbar bedeutet für mich Schwangerschaft auch immer Umbruch. Fünf Jahre nach meinem ersten Kind bin ich nun wieder schwanger und die Zweifel an meiner aktuellen beruflichen Tätigkeit tauchen mal wieder auf und nagen an mir. Darüber habe ich einen langen Blogbeitrag geschrieben:

„Ich bin im 8.Monat schwanger mit meinem zweiten Kind. Ich habe bereits ein Unternehmen, das mir in Teilzeit-Arbeit ein Vollzeit-Einkommen einbringt. Aber es macht mir seit vielen Monaten keinen richtigen Spaß mehr. Ja, gewisse Teilbereiche sind ganz aufregend, aber ich ertappe mich täglich beim Gedanken »Eigentlich will ich das nicht mehr«.“

Ein paar erhellende Momente bei der Arbeit an meinem Nähblog hatte ich durchaus – meine eigentliche Berufung zeigte sich immer mal wieder, aber ich sah nicht richtig hin. Und nun rat mal, welches das neue Unternehmen ist? Kleiner Tipp: Es ist wieder ein Blog-Business und es befindet sich direkt vor deiner Nase :)

Und sonst so

Natürlich bin ich auch außerhalb des Berufslebens des Öfteren gescheitert. Ich brauchte sechs Anläufe in einem Zeitraum von acht Jahren, um endlich von Zigaretten loszukommen. Ich wollte mit verschiedenen Diäten eine Modelfigur erreichen und stellte fest, dass mir ein genussvolles Leben viel wichtiger ist, als superschlank zu sein. Ich war viele Male unglücklich verliebt und hoffte auf ein Wunder, das natürlich nicht eintraf – zum Glück, denn die jeweiligen “Traumprinzen“ hätten gar nicht zu mir gepasst!

Mein Fazit ist: Wenn ich das Verlangen danach habe, etwas zu tun oder auszuprobieren, dann mache ich es auch. Es fühlt sich dann entweder gut an oder nicht und daraus kann ich meine Schlüsse ziehen. Das ist mir tausend Mal lieber, als wenn ich jahrelang darüber nachgrüble, ob ich Sache X denn nun doch mal versuchen sollte oder es mir besser ergangen wäre, wenn ich Sache Y gemacht hätte.

ALLES was du tust, ist richtig! Jede Entscheidung bringt dich auf dem Weg zu dir selbst weiter, egal ob sie sich als „richtig“ oder „falsch“ entpuppt (meiner Meinung nach gibt es jedoch keine falschen Entscheidungen). Erst wenn du etwas ausprobiert hast, weißt du ob diese Sache zu dir und deinem Leben passt oder eben nicht.

Das war heute mal ein etwas philosophischerer Beitrag und ich hoffe, er hat dir gefallen. Wie ist deine Meinung zum Scheitern?

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

3 Gedanken zu „Öfter mal Fehler machen: Eine Ode ans Scheitern“

  1. Kathi sagt:

    Ich finde, dass das mal eine ganz neue Sichtweise des Scheiterns ist!!! Und mir gefällt deine Einstellung dazu. ;)
    Jeder hatte in seinem Leben schon Momente in denen er gescheitert ist. Wenn ich da an mich denke, dann habe ich mich natürlich meist schlecht gefühlt. Das find ich aber auch ganz normal. Nach einer gewissen Zeit habe ich das ein oder andere Scheitern auch als was Gutes gesehen, denn sonst wäre ich jetzt nicht der Mensch, der ich heute bin! Dieser Gedanke stärkt mich und lässt mich das was in die Hose ging, besser verarbeiten!

    Liebe Grüße Kathi

    1. Julia sagt:

      Je öfter man scheitert, desto besser ist es eigentlich. Denn das zeigt, dass man aktiv ist und sein Leben selbst gestaltet. Und wie gesagt, es ist ja kein Scheitern im eigentlichen Sinne – sondern bringt dich jedes Mal näher ans Ziel.

      Liebe Grüße,
      Julia

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