Familie

Neustart in England

Neustart in England

Abgesehen von der anfänglich komplizierten Unterkunftsuche war England bisher sehr freundlich zu uns. Schon bei der ersten Fahrt von der Fähre in Newcastle aus dachte ich: „Diese Landschaft! Also die wollen uns hier aber wirklich zum Dableiben überreden!“. So ging es dann immer weiter. Die Menschen waren bisher ausnahmslos offen, freundlich und hilfsbereit zu uns.

Quasi vor der Haustür haben wir den Ozean und können von dort direkt rüber nach Schottland schauen. Majestätische sanfte Berge erheben sich dort jenseits des Wassers. Besonders schön ist der Blick, wenn gerade Ebbe ist und wir kilometerweit über den Sand laufen können. Diese Aussicht ist einfach nur atemberaubend. Man kann so unendlich weit schauen.

Das Wetter ist bisher typisch englisch. Sehr wechselhaft und es gibt häufig Regen. Ein bisschen wie in Schweden auch schon. Nach dem Regen kann genauso gut wieder strahlende Sonne kommen und umgekehrt. Man muss eben immer einen Schirm dabei haben (und Regensachen für die Kinder), dann geht das schon. Wie sagt man so schön: Es gibt kein „falsches“ Wetter, nur falsche Kleidung.

Wir haben eine wunderschöne Farm mit zig Kinderspielplätzen (Indoor & Outdoor) hier in Silloth entdeckt und waren dort schon zweimal. Es gibt allerhand Tiere (Esel, Gänse, Ziegen, Ponys, Rotwild, Schafe, Hühner, Alpakas, Schweine, Emus / Strauß, Meerschweinchen, Häschen, …) und gefühlte hundert Spielmöglichkeiten für die Kinder.

Plan B: Wir pausieren unsere Reise

Aufgrund unserer finanziellen Misere (ich komme nicht an mein Geld aus der Auslandsfirma heran – also meine Einnahmen werden geparkt und wir haben quasi Nichts) haben wir uns einen Notfallplan überlegt. Wir versuchen, hier in England eine Wohnung zu finden. Wenn das klappt, melde ich mich hier als Selbstständige an (Sole Trader) und ziehe meine gesamte Firma nach England um. So kann ich dann wieder über meine Einnahmen verfügen. Soweit die Theorie.

Erstmal stellte sich die Frage: wohin? Philip kontaktierte bestimmt 100 Leute aus diversen „Deutsche in England“ Facebook-Gruppen, um andere deutsche Freilerner hier zu finden. Ein paar haben sich gemeldet und wir stehen nun in Kontakt. Wir haben einen Housesit auf einer kleinen Farm organisiert (ab Mitte Oktober) und uns entschlossen, nach East Yorkshire zu ziehen. Dort gibt es eine große Homeschooler / Unschooler Community, die regelmäßig was zusammen unternehmen. Eine Familie davon ist sogar deutsch und wir sind sicher, noch weitere Deutsche zu finden, wenn wir erstmal in Ruhe hier suchen.

Wie bekommen wir eine Wohnung?

Das mit der Wohnungssuche hier in England ist jedoch ein Thema für sich. Als „New to the UK“-Bürger haben wir keinen credit score, also keine Kreditwürdigkeit. Zunächst brauchen wir ein britisches Konto. Ratet mal, wie man das bekommt? Man braucht als Nachweis eine feste Wohnadresse. Um eine Wohnung zu bekommen, braucht man aber ein britisches Konto. Nach einigen weiteren Recherchen sind wir auf die App Monese gestoßen, wo man per Smartphone ein britisches Konto eröffnen kann. Abgefahren, was es alles gibt! Ich habe dort einen Account gemacht und werde jetzt mal Geld transferieren. Hoffentlich reicht das als Kontennachweis aus.

Dazu kommt natürlich noch die übliche Misere: Nur einer von uns arbeitet, und zwar nicht fest angestellt sondern selbstständig. Das ist schon in Deutschland ein Problem. Hier sicherlich noch mehr, da wir wie gesagt auch keinerlei Kreditwürdigkeit haben. Wir hoffen nun (wieder mal) auf ein Wunder.

Das Gute ist, dass man hier sehr oft komplett möblierte Wohnungen bzw. Häuser zur Miete bekommt. Trifft sich gut, wenn man alles verkauft hat und nur mit ein paar Taschen voller Kleidung hier ankommt.

Birmingham

Heute treten wir unseren Housesit in Birmingham an. Nikita, die Hausherrin hat uns unglaublich liebevoll und freundlich empfangen -sie hat sogar für uns einkauft! Ihre süße Katze Molly dürfen wir nun drei Wochen lang füttern und bekuscheln. Schon am ersten Abend schmiegt sie sich (obwohl sie angeblich keine Kuschelkatze ist) unentwegt um meine Beine und schnurrt ohne Unterlass. Ha, bei mir wird jede Katze zur Kuschelkatze! :) Das Haus ist wunderschön. Typisch englisch – also sehr klein und eng, aber irgendwie ist das auch witzig so. Und wir haben W-LAN! Ich kann also drei Wochen lang wie ein normaler Mensch am Computer arbeiten, ohne dass das Internet andauernd ausgeht. Nikita hat uns auch noch einen Tipp für die Wohnungssuche gegeben. Wir sollen bei einer Real Estate Agentur unser Profil hinterlegen und sie für uns suchen lassen – da diese dann im Voraus dann schon solche Wohnungen aussuchen können, bei denen wir überhaupt eine Chance haben ohne credit score & festen Arbeitsvertrag. Na dann werden wir das doch morgen mal ausprobieren.

Nach England ziehen – ja oder nein?

Immer wieder oder immer noch kreisen meine Gedanken darum, wie und wo wir in Zukunft leben und arbeiten wollen. Klar ist es schön hier in England, aber andererseits wohnen in Deutschland unsere Familien und Freunde. Ob wir wirklich dauerhaft hier wohnen wollen, können wir jetzt sowieso noch nicht abschätzen, da wir ja gerade erst angekommen sind. Es wird also erstmal ein Versuch – sofern wir überhaupt eine Wohnung bekommen. Das Argument des legalen Homeschoolings bzw. Unschoolings ist schonmal unschlagbar, außerdem sind die Steuern niedriger und die Krankenkasse umsonst. Allein die Krankenkasse spart uns somit pro Monat schlappe 600 Euro. Ein nicht zu verachtender Faktor. Ach, und es gibt keine Gewerbesteuer! Der Knaller! Ich zahle ja – obwohl ich keine Büroräume irgendwo habe – einfach nur weil ich digitale Produkte verkaufe (!) einen Haufen Gewerbesteuer in Deutschland. Hier in England würde das komplett wegfallen. Außerdem kommt Harry Potter aus England und man kann sich all die schönen Kulissen hier anschauen – ich glaube das ist fast das wichtigste Argument :)

Aber zurück zum Thema. Mir fällt es etwas schwer, soweit weg von meinen Eltern zu wohnen. Ich kann gar nicht mal so genau sagen, warum. Wir können ja jederzeit skypen und ab und zu hinfliegen – aber irgendwie macht diese Distanz dann doch einen Unterschied. Wir haben aber schonmal vorsichtshalber nach Flügen geschaut und würden wohl zu viert für rund 300 € nach Deutschland und wieder zurück fliegen können. Geht eigentlich für die Strecke.

Wir und die Kinder wollen definitiv wieder sesshaft werden. Gerne auch weiterhin reisen, auch für mehrere Wochen, aber von einer festen Basis aus. Mit festen Freunden, einer fertig eingerichteten Wohnung und allem drum und dran. Über Facebook haben wir eine tolle Homeschooler bzw. Unschooler-Gruppe in East Yorkshire aufgetan und da könnten wir ja prima mitmachen. An manchen Tagen fällt mir die Entscheidung auch total leicht. Klar, warum nicht. Kann man ja mal ausprobieren. An anderen Tagen ist mir alles zuviel und ich will nur noch nach Hause. Nur dass wir kein Zuhause mehr haben. Also fühle ich mich irgendwie unsicher, unwohl, in der Schwebe, komisch. Meist geht das aber schnell wieder vorbei. Raus in die Natur gehen hilft immer.

Arbeit: Spaß und/oder Geld?

Bleibt nur noch das Thema Arbeit. Eigentlich möchte ich nur zwei Dinge machen. Reisen bzw. tolle Dinge erleben und darüber schreiben. Einfach nur den Alltag. Als schicker Blog. Und dann würde ich gern nochwas mit Tieren machen, vielleicht auf einem Gnadenhof. Mehr möchte ich gar nicht machen, beruflich. Denn meine Tage möchte ich auch mit meinen Kindern verbringen. Dazu muss aber das Finanzielle geklärt sein, denn so wie es jetzt ist, lastet immer soviel Druck auf mir. Ich muss für uns alle sorgen und es muss immer gut laufen, da ich ja nicht angestellt bin. Gut, als Angestellte könnte ich auch jederzeit entlassen werden – so gesehen bin ich als Selbstständige vielleicht sogar besser dran. Aber das Einkommen schwankt so extrem und seit drei Monaten sind die Verkäufe der Ebooks total im Keller. Als wir unsere Reise geplant haben, hatten wir mit ganz anderen Zahlen gerechnet. Nun wirft uns die finanzielle Lage komplett zurück. Irgendwelche tollen Orte können wir uns so auch nicht anschauen, wenn wir haben einfach nichts mehr, nada. Zum Glück haben wir diesen tollen Housesit hier in Birmingham gefunden, und im Anschluss noch einen weiteren in Hull (East Yorkshire, da wo wir eventuell auch hinziehen wollen). Das rettet uns schonmal ein paar Wochen. Jetzt muss ein Plan her bzw. ganz viel Glück und Segen, auf all unseren Wegen.

Aber hey, ich habe immerhin schon einen klitzekleinen Freelance-Auftrag abgearbeitet. Wenn das noch mehr wird, könnte das alles klappen. Das Buch über Reisefamilien ist auch bald fertig und wird immer schöner. Irgendwie macht es mir einfach total Spaß, Bücher zu schreiben und zu gestalten. Ich habe schon eine Idee für das nächste :) Aber jetzt mach ich das Familienbuch erstmal fertig.

Irgendwas mit Fotos

Ach, noch ein Gedanke. Ich würd ja auch total gern was aus bzw. mit meinen Fotos machen, so von der Reise und generell – nur was? Sie einfach hier als Blogfotos benutzen – klar, geht, ist schön. Aber irgendwie könnte da nochwas anderes mit passieren. Es sind aber auch hauptsächlich Landschafts- bzw. Naturfotos, da ich unsere Kinder nicht öffentlich zeigen will. Und nun verdien mal mit Landschaftsfotos – die ich zudem momentan nur mit dem iPhone mache – Geld. Haha. Hey Moment, da kommt mir eine Idee. Ich google das jetzt mal. Abgefahren. Es gibt tatsächlich Marktplätze und Agenturen für iPhone-Fotos! Ich flipp aus! So, jezt probiere ich die drei gefundenen Apps gleich mal aus und berichte dann gern darüber :)

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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