Selbstfindung

Lerne loszulassen und erkenne dich selbst

Lerne loszulassen und erkenne dich selbst

Vielen fällt es wahnsinnig schwer, sich von Dingen in ihrer Wohnung (oder auf dem Dachboden, oder im Keller) zu trennen. Wir besitzen fast alle viel zu viel Zeug. Dinge, die wir nicht benutzen, die verstauben, die wir „vielleicht irgendwann mal brauchen könnten“. Doch welches Potenzial steckt im Loslassen?

Was würdest du aus einem brennenden Haus mitnehmen? Ohne was könntest du nicht leben? Ich möchte dich einladen, ein paar Minuten darüber nachzudenken. Sind es der teure Fernseher, die Designerklamotten oder deine DVD-Sammlung?

Meine Antwort fällt sehr kurz aus: Meine Kinder, meinen Mann, wenn noch Zeit ist eventuell ein paar Erinnerungsstücke. Das wars. Und ich bin sicher, dass du ganz ähnlich geantwortet hast.

Wenn es drauf ankommt, sind uns nur Menschen wichtig, keine Dinge. Ich habe festgestellt, dass ich freier, klarer im Kopf und glücklicher bin, je weniger ich besitze. Mir fällt es leichter, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und meinen wahren Bedürfnissen näher zu kommen.

Wenn du etwas loslässt, bist du etwas glücklicher. Wenn du viel loslässt, bist du viel glücklicher. Wenn du ganz loslässt, bist du frei. (Ajahn Chah)

Seit vielen Jahren schon minimiere ich meinen „Krempel“, sortiere regelmäßig aus, räume auf, verschenke, verkaufe, werfe weg. Nach jeder Entrümplungsaktion fühle ich mich leicht und befreit. Ich kann mich besser konzentrieren und dadurch sehr effektiv arbeiten – ein 8-Stunden-Arbeitstag wird überflüssig. Schon oft haben Kollegen und Freunde mich gefragt, wie ich soviel in so kurzer Zeit schaffe. Nun, die Antwort ist ganz einfach: Ich bin fokussiert! Ich habe nur das Nötigste auf dem Schreibtisch bzw. in meinem Arbeitszimmer. Ich habe nur das Nötigste in meiner Wohnung. Keine DVDs oder tonnenweise Bücher die einstauben, keine Klamotten die ich nie anziehe, sondern nur die Dinge, die mir wirklich etwas bedeuten.

Natürlich bin auch ich nicht völlig immun gegen Werbereize. Immer wieder passiert es, dass ich mir ein Kleidungsstück kaufe, dass mir eigentlich gar nicht steht oder hungrig einkaufen gehe und mit Dingen zurückkomme, die ich eigentlich nicht essen mag. Oder Stoffe kaufe, die ich dann nie vernähe, oder oder oder …

Es geht auch gar nicht darum, perfekt zu sein und „keine Fehler“ zu machen. Aber ich finde es wichtig, sich bewusst zu werden, warum man überhaupt Dinge kauft. Vielleicht braucht man gerade einen kleinen Seelenschmeichler, hatte einen schlechten Tag, erhofft sich „den perfekten Look“ von diesem Kleid. Meist steckt kein wirkliches materielles Bedürfnis hinter einem Kauf, sondern etwas ganz anderes, dass man nicht kaufen kann. Und genau da liegt die Krux. Da wir das Bedürfnis z.b. nach Trost, Liebe, Zuwendung nicht sofort bekommen können, holen wir uns den Kick dadurch, dass wir uns „etwas gönnen“. Etwas Leckeres vom Bäcker, neue Schuhe, ein elektronisches Gerät usw.

Vielleicht orientieren wir uns aber auch übermäßig daran, was andere von uns denken (könnten). „Wenn ich dieses Kleid trage, wird er bestimmt auf mich aufmerksam und findet mich schön“, „Wenn ich viele schlaue Bücher im Schrank habe, wirke ich gebildet“, „Wenn es doch aber alle so machen, muss doch was dran sein?“

Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen. (Will Roger)

Diesen Satz hast du bestimmt schon oft gelesen. Ich stolpere oft darüber und finde ihn immer wieder inspirierend. Warum klammern wir uns so sehr an Besitztümer? Warum wollen wir immer mehr? Warum fällt es uns so schwer, Dinge loszulassen? Einfach mal auszumisten und alles wegzuwerfen, das wir nicht mehr benutzen? Neben der oben genannten Ersatzbefriedigung von Bedürfnissen ist der Hauptgrund dafür Angst.

Warum klammerst du dich an materielle Dinge?

  • Du behältst Bücher, die du seit Jahren nicht gelesen hast, CDs, die du nicht mehr hörst oder DVD die du nur einmal angeschaut hast – weil du denkst, dass du sie eines Tages gebrauchen könntest. Außerdem haben sie ja Geld gekostet. Du hast Angst, für den „Fall der Fälle“ nicht gerüstet zu sein. „Vielleicht schau ich mir das irgendwann nochmal an.“ Und was ist in den fünf Jahren bis dahin? Vielleicht werden es sogar zehn oder mehr, bis du merkst, dass du jahrelang Dinge mit dir rumgeschleppt hast, die du nicht brauchst. Du hast Angst, Dinge gehen zu lassen, die nicht länger zu dir passen. Angst vor Veränderung.
  • Du behältst das Keyboard oder die Gitarre, die schon Jahre in der Ecke verstauben, falls du doch irgendwann nochmal Unterricht nimmst. Du hast Angst, nicht die Person zu werden, die du gern mal gewesen wärst. Vielleicht wolltest du vor Jahren mal in einer Band spielen, oder Songs schreiben wie dein Lieblingsmusiker. Du hast Angst, nicht gut genug zu sein so wie du bereits bist.
  • Dein Kleiderschrank quillt über und du denkst trotzdem: „Ich hab nichts anzuziehen!“. 80% der darin gestapelten Kleidungsstücke ziehst du nie an, aber wegwerfen oder spenden möchtest du sie auch nicht. Mit deiner Kleidung drückst du dich aus, zeigst wer du bist – wenn du sie entsorgen würdest, befürchtest du, dich weniger ausdrücken und weniger du selbst sein zu können. Wieder steckt hier die Angst dahinter, nicht gut genug zu sein, wie du bereits bist.
  • Du klammerst dich an Erinnerungsstücke, weil du Angst hast, die Erinnerung an eine Person oder ein Erlebnis könnte verschwinden, wenn du sie aussortierst. Dahinter steckt die Angst, die Liebe oder Beziehung zu demjenigen zu verlieren, der dir das Stück geschenkt hat.

Die Liste könnte ich ewig so fortführen, aber ich denke du erkennst worauf ich hinaus will. Kommen wir noch einmal zum Anfang zurück.

Was würdest du aus einem brennenden Haus mitnehmen? Ohne was könntest du nicht leben?

Schau dich mal in der Wohnung um und mache eine kleine Bestandsaufnahme in jedem Zimmer. Welche Dinge davon benötigst du wirklich? Was davon bedeutet dir etwas?

Auf dem Weg zu deinem wahren Selbst, deiner Essenz und somit dem Finden deiner Berufung ist das Fokussieren auf das Wesentliche enorm wichtig. Was sind deine wirklichen Bedürfnisse? Hinter welchen materiellen Scheinbildern versteckt sich dein wahres Ich?

Je mehr du an materiellen Dingen aussortierst, desto näher wirst du dir selbst kommen. Desto einfacher wird es, dein volles Potenzial auszuleben. Dein Leben nach deinen eigenen Wünschen auszurichten, anstatt sich an Dingen oder der Meinung anderer zu orientieren. Vielleicht hast du Lust bekommen, es mal auszuprobieren?

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

3 Gedanken zu „Lerne loszulassen und erkenne dich selbst“

  1. Kerstin (Keko-Kreativ) sagt:

    Liebe Julia,

    ich kann dir hier nur zustimmen. Ich bin auch ein absoluter Fan vom Entrümpeln und Ausmisten. Es macht den Kopf frei, wenn man weniger Besitztümer hat, um die man sich kümmern muss, die man verräumen und aufräumen muss. Ich sortiere regelmäßig aus und denke lieber zweimal darüber nach, bevor ich eine neue Anschaffung tätige.

    Kennst du den Blog „Becoming Minimalist“: http://www.becomingminimalist.com/
    Da gibt es auch immer wieder sehr schöne Anregungen und Denkanstöße zu dem Thema.

    Ganz liebe Grüße,
    Kerstin

  2. Julia sagt:

    Liebe Kerstin, meine Antwort kommt 1,5 Jahre zu spät – bitte entschuldige! Deinen Kommentar habe ich gar nicht mitbekommen. Den Blog werde ich gleich mal abonnieren, Danke für den Tipp!

    Liebste Grüße,
    Julia

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