Selbstfindung

Kinder haben vs. freie Zeit für mich – Oder: Was ist wirklich wichtig?

Kinder haben vs. freie Zeit für mich - Oder: Was ist wirklich wichtig?

Ich wollte schon sehr früh Kinder haben. Schon mit 18 malte ich mir aus, wie es wohl wäre, meine eigene Familie zu gründen. Bis ich den perfekten Mann dafür gefunden hatte, dauerte es allerdings eine Weile und so wurde ich „erst“ mit 27 Mama. Meine große Tochter ist mittlerweile schon sechs Jahre alt und hat vor einem Jahr noch ein Brüderchen bekommen. Wie der Alltag mit Kind aussehen und wie sehr ich mich durch meine Kinder verändern würde, konnte ich mir damals nicht mal ansatzweise vorstellen.

Ich bin als Einzelkind aufgewachsen und daran gewöhnt, immer viel sehr Zeit für mich allein zu haben. Was ich immer toll fand, denn mir war eigentlich nie langweilig. Als Kind beschäftigte ich mich den ganzen Tag – entweder kreativ oder draußen in der Natur. Bis heute bin ich gern allein und tüftle an Ideen oder gehe spazieren und lasse mich einfach treiben. Ich liebe es, allein zu sein!

Die Anderen habens gut! – oder doch nicht?

So sehr ich das Muttersein liebe, es treibt mich sehr oft auch an meine Grenzen und fast in den Wahnsinn. Stundenlang allein sein und Ideen aushecken, einfach machen worauf ich Lust habe – das ist vorbei. Ins Bett gehen und aufstehen wann ich will, spontan verreisen, auf eine Party gehen und nicht an morgen denken – geht grad nicht. Wenn Andere (noch Kinderlose) von ihren Abenteuern erzählen – oder auch nur vom Alltag, der aber sehr frei ist – kommt Neid in mir auf. „Man, die habens gut!“, denk ich dann. Manchmal auch „Warum haben wir so früh Kinder bekommen? Vielleicht hätten wir noch warten sollen.“

Was ist wirklich wichtig?

Auf der anderen Seite weiß ich, dass unser Weg genau richtig war. Denn ich wollte schon immer Kinder haben, mein Weg hätte mich sowieso hier hin geführt. Durch meine Kinder habe ich enorm viel über mich und meine Prioritäten gelernt. Wenn der Neid in mir aufkommt, frage ich mich: „Was genau würde ich jetzt machen, wenn ich noch keine Kinder hätte? Wäre das sinnvoller und erfüllender als das was ich durch meine eigene kleine Familie erleben darf?“. Und die Antwort ist immer Nein. Nein, es gibt für mich nichts Erfüllenderes, als meine Kinder aufwachsen zu sehen und selbst dabei über mich hinauszuwachsen. Es gibt für mich nichts Sinnvolleres, als meinen Kindern die Welt zu zeigen und sie möglichst gut auf ihr Leben vorzubereiten.

Was würde ich tun, wenn ich noch keine Kinder hätte? Vermutlich sehr viel arbeiten, um möglichst viel Geld zu verdienen (wofür eigentlich?), mehr verreisen oder mehr auf Konzerte und Parties gehen. Bis auf die Konzerte (ich liebe Musik einfach!) ist mir das alles eigentlich gar nicht so wichtig, wie ich immer geglaubt habe. Und den Traum von der großen Reise haben wir jetzt auch mit Kindern verwirklicht – Tschakka! Viel arbeiten fand ich sowieso schon immer doof und sinnentleert. Zwei bis drei Stunden am Tag sind für mich absolut verträglich, aber alles darüber hinaus ist mir einfach zu viel. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Wenn ich irgendwann auf dem Sterbebett liege, werde ich mich mit Sicherheit nicht an die vielen Arbeitsstunden zurückerinnern. Wie siehst du das? Die Arbeitsfrage ist ein Superthema zum Nachdenken.

Fokus!

Ja, ich habe durch meine Kinder sehr viel weniger freie Zeit als früher. An manchen Tagen fast gar keine. Aber ich habe dadurch gelernt, meine starren Denkmuster von „immer mehr leisten, immer schneller arbeiten, immer produktiv sein“ zu durchbrechen. Alles läuft sehr viel langsamer ab als früher. Ich werde häufig unterbrochen, ob ich nun arbeite oder den Haushalt mache. Ich muss mich daran gewöhnen, alles nur noch in Häppchen zu machen, eine halbe Stunde hier, eine halbe Stunde da. Ich muss lernen, fokussiert zu sein, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bei nur zwei bis drei Stunden Arbeitszeit pro Tag muss ich mir genau überlegen, was ich in dieser Zeit mache und was Zeitverschwendung ist und von der To-Do-Liste fliegt.

Die spannendsten Dinge passieren außerhalb der Komfortzone

Neben dem Setzen von klaren Prioritäten haben meine Kinder mich noch eine weitere sehr wichtige Lektion gelehrt. Als Introvertierte fällt es mir schwer, auf andere zuzugehen. Ich muss nicht unbedingt dauernd raus, bin gern allein, gern zuhause – ich brauche nicht dauernd Menschen um mich. Aber meine Kinder brauchen das. Sie sind extrovertiert, offen, kontaktfreudig und spielen für ihr Leben gern mit anderen Kindern. Unsere Große freundet sich oft auch mit Erwachsenen an, die sie gerade erst getroffen hat, plaudert und spielt mit ihnen. Sie hat einfach großes Interesse an anderen Menschen. Was bedeutet das für mich? Ich muss meine Komfortzone verlassen. Ich muss hinaus in die Welt, zu anderen Menschen. Ich muss mein Nest verlassen, in dem ich mich so sicher fühle. Das fordert mich jedes Mal aufs Neue heraus. Gleichzeitig finde ich es absolut faszinierend, dass meine Kinder in dieser Hinsicht so anders sind als ich und ich dadurch „gezwungen“ werde, diese Schattenseite von mir anzuschauen und immer wieder meine Ängste zu überwinden.

Mit Kindern lernt so megaviel über sich selbst und vorallem lernt man, Prioritäten zu setzen.

Was ist mir im Leben wirklich wichtig?
Wie möchte ich mein Leben, meinen Alltag gestalten?
Was ist meine Aufgabe?
Was wird mein Vermächtnis sein?
Was brauche ich, um glücklich zu sein?

Sind es wirklich die allerorts angepriesenen Statussymbole wie eine superschicke Wohnung, ein großes Auto, die neuste Mode und und und? Ich liebe ja dieses Zitat aus Fight Club.

„Von dem Geld dass wir nicht haben, kaufen wir Dinge, die wir nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen.“ (aus dem Film Fight Club)


Was denkst du darüber? Was ist dir wirklich wichtig?

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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