Familie

Familienreise: Uniform hier, Uniform da

Uniform hier, Uniform da

Wir haben uns gut im Haus eingelebt und auch Molly, die Katze die wir betreuen, scheint zufrieden mit uns. Gestern haben wir uns das Lapworth Museum of Geology anschaut – das einzige kostenfreie Museum, das ich hier finden konnte. Es gibt zwar viele tolle Museen und spannende Aktivitäten für Kinder in Birmingham, aber die Eintritte haben es in sich. 70 Pfund als Familie für eine Schlossbesichtigung, 20+ Pfund für den botanischen Garten, …

Das Lapworth-Museum ist toll! Es gibt viel über Dinosaurier und andere Tiere aus vergangenen Zeiten, ebenso wie Pflanzen und Gesteine zu sehen. Das Museum befindet sich direkt auf dem Uni-Campus – so dass wir also auch noch in das rege Studententreiben hier reinschnuppern können.

Auf unsere täglichen Spielplatzbesuchen sehen wir fast immer ausschließlich Kinder mit Schuluniformen in verschiedensten Ausführungen. Die Grundschule hier in unserem Viertel scheint weinrot-gelb als Farbe zu haben – eindeutig Gryffindor! Ha! Auch wenn mich die Uniformen an Hogwarts erinnern, finde ich es dennoch sehr befremdlich, dass alle Schulkinder im Einheitslook antreten müssen – der zudem auch nicht kindlich, sondern eher erwachsen ist. Keine lustigen Tiere, Muster, Sprüche auf farbigen T-Shirts, keine Leggings mit Schmetterlingen oder Punkten, keine Cord-Latzhose – sondern Bundfaltenhosen mit Hemd, Pullunder & Blazer für die Jungs und Strumpfhose mit kurzem Faltenrock für die Mädchen. Das alles wirkt auf mich sehr bieder und einengend. Die Schuhe müssen zudem immer schwarz sein. Als Kind! Das alles gibt mir sehr zu denken.

„Kinder gehören auf den Spielplatz, in die Natur, ins wilde freie Leben und nicht in einen Anzug, eilig durch die Stadt zum nächsten Termin laufend!“

Der Kindergarten geht hier nicht so lange wie bei uns in Deutschland. Mit vier Jahren kommen die englischen Kinder schon in die Vorschule (Preschool) – es findet also eine Art Dauerbeschulung ab dem Kleinkindalter statt. Gestern haben wir zwei Jungs in feinen Anzügen mit schweren schwarzen Aktentaschen gesehen, die eilig die Straße entlang liefen – sie waren vielleicht acht Jahre alt! „Wie kleine Erwachsene“, dachten wir – und die beiden taten uns sehr leid. Kinder gehören auf den Spielplatz, in die Natur, ins wilde freie Leben und nicht in einen Anzug, eilig durch die Stadt zum nächsten Termin laufend! Sowieso ist dieser Gegensatz hier in England irgendwie befremdlich – man darf offiziell zu Hause unterrichten (oder auch frei lernen) und gleichzeitig gibt es so strenge Regeln für diejenigen, die zur Schule gehen. Wir sind gespannt, was wir zu diesem Thema noch alles hier in England lernen und erfahren werden.

Unsere Mission, hier eine Wohnung zu finden und meine Selbstständigkeit in England anzumelden, schreitet in Minischritten voran. Wir haben ein englisches Onlinekonto eröffnet, auf das nun „nur noch“ Geld fließen muss – so dass wir einen Finanznachweis haben. Das wäre dann Schritt 1. Dann brauche ich noch eine National Insurance Number, um meine Selbstständigkeit anmelden zu können. Um sie zu bekommen, muss ich nächste Woche zum Jobcentre Plus gehen und ein Jobinterview führen (Schritt 2). Wenn ich die Nummer habe, kann ich mich als Sole Trader (Einzelunternehmerin) hier anmelden und dann meine Firma hierhin umziehen (Schritt 3). Wenn wir dann in drei Wochen unseren Housesit in Hull (East Yorkshire) antreten, können wir uns dort um eine Wohnung bemühen (Schritt 4). Da wir keine Kreditwürdigkeit und keinen festen Job hier in Großbritannien haben, werden wir wahrscheinlich sechs Monatsmieten im Vorraus zahlen müssen – um überhaupt die Chance auf eine Wohnung zu haben. Zusätzlich brauche ich (da ich selbstständig bin) Schriebse vom Steuerberater auf Englisch, die mein Einkommen der letzten Jahre bestätigen. Und selbst damit können sie uns als Mieter noch ablehnen.

Wir haben überlegt, ob es hier in England schwieriger ist eine Wohnung zu finden, als in Deutschland. Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich kompliziert zu sein. Aber in Deutschland würden wir – mit meinem Mann als Azubi und mir als Selbstständiger – wahrscheinlich auch keine Wohnung bekommen. Und ob es dort die Möglichkeit gibt, ein halbes Jahr im Vorraus zu zahlen, bezweifle ich. Dementsprechend sind wir froh, dass wir hier zumindest Optionen haben und hoffen jetzt einfach, dass es klappt. Außerdem scheinen die Mieten hier günstiger zu sein als in Deutschland. Mal schauen wie es dann tatsächlich ist, wenn alle Nebenkosten dazu kommen.

Heute kam schon meine Kreditkarte von Monese (dem englischen Onlinekonto) an, das ging ja tierisch schnell. Da auf dem Schriebs zur Karte mein Name und die Adresse unseres aktuellen Housesits draufsteht, kann ich das hoffentlich gleich als „Proof of Address“ beim Jobcentre verwenden. Denn einen anderen Proof habe ich nicht.

Ansonsten habe ich heute auch mein Buch zum Thema Familienreise fertig gestellt. Das E-Book wird nun nochmal Korrektur gelesen und die Taschenbuch-Variante habe ich bei Amazon CreateSpace zur Überprüfung eingereicht. Wenn die durch ist, kann ich mir das erste gedruckte Exemplar bestellen. Wie aufregend!

Update: Das Buch ist fertig gedruckt und erhältlich! AAAH!

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

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