Familie, Selbstbestimmt Arbeiten, Selbstfindung

Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt

Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt

Wie ihr vielleicht schon hier im Blog gelesen habt, sind wir seit mittlerweile fast einem Jahr mit unseren Kindern unterwegs in Europa. Seit unserer Abreise aus Deutschland ist viel passiert, vorallem in unseren Köpfen. Mit all dem Abstand und den vielen neuen Eindrücken begannen wir immer mehr, die Welt und das Leben mit anderen Augen zu betrachten. Ich schreibe über all das ab und zu hier im Blog, z.B. im Beitrag → Vogelfrei: Kein Besitz, keine Wohnung, keine Verpflichtungen – Was man lernt, wenn man alles loslässt.

Auch meinen Mann Philip hat das Schreibfieber gepackt. Er beschäftigt sich seit einigen Jahren mit dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ (und ist mir dabei meilenweit voraus) und hält seine Gedanken im Blog Gewaltfreies Leben fest. Soeben ist Philips erstes Buch „Neue Wege in eine freie Welt“ erschienen, das ihr euch kostenfrei herunterladen könnt.

→ Zum Buch „Neue Wege in eine Freie Welt“

Philip Bräunig, Autor des Buches "Neue Wege in eine freie Welt"
Philip Bräunig, Autor des Buches „Neue Wege in eine freie Welt“

Philip, schön dass du heute mit mir über dein erstes Buch sprichst. Bitte erzähl doch kurz was über dich und wie es zur Idee für dein Buch kam.

Vielen Dank für deine Anfrage. Ich freue mich sehr, Rede und Antwort stehen zu dürfen. Als ich vor 3 Jahren meinen ursprünglich erlernten Beruf des Einzelhandelkaufmanns aufgab, um in die soziale Arbeit zu wechseln (Kindertageseinrichtungen in denen ich mit Kindern im Alter von 0 – 7 intensiv zu tun hatte), erhoffte ich mir davon, eine sinnvollere Aufgabe gefunden zu haben, bei der ich mein relativ ruhiges und geduldiges Wesen besser einbringen kann, um gleichzeitig anderen helfen zu dürfen.

Nach ca. 1 ½ Jahren merkte ich allerdings, dass auch dieser Bereich voll von gewaltbehaftetem Umgang ist (den man auf den ersten Blick nicht sieht / spürt). Und weil ich noch nicht den Erfahrungswert hatte, aber dennoch Einigen durch meine gewaltlose Art zu kommunizieren wohl etwas „auf den Schlips trat“ (und es sehr lange dauerte, bis man sich verständlich machen konnte), beschloss ich, dieses Vorhaben erst mal ruhen zu lassen. Vielleicht knüpfe ich später in meinem Leben mit etwas Abstand dort in anderer Form wieder an.

Kannst du in 2-3 Sätzen zusammenfassen, was die Leser in deinem Buch erwartet?

Den Leser erwartet ein Buch voller Dinge in denen man sich wiederfindet. Vieles davon behandeln wir mit einer Art „nicht-wissen-wollen“ Mentalität, welche ich gerne in eine „ich-möchte-Handeln“ Haltung ändern möchte, bei der man erkennt, wie einfach eigentlich vieles sein kann und wie naheliegend auch Lösungsansätze sind.

Wer oder was hat dich maßgeblich dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben?

Da man gewisse Strukturen innerhalb der Gesellschaft bereits im pädagogischen Alltag erkennen kann, fing ich an, auch andere Bereiche detaillierter zu hinterfragen und so begann die Reise, bei der ich mir erst nur Notizen zu meinen Gedanken machte. Diese wurden mit der Zeit aber immer mehr und so entschloss ich mich, erst mal „irgendwie“ anzufangen.

Den Anreiz, es wirklich umzusetzen, hatte ich nach unserer familiären Entscheidung, vorerst in England sesshaft zu werden. Hier haben wir alle etwas Abstand vom „typischen“ Alltag und ich hatte gedanklich Zeit, mich mit den Dinge,n die die Menschen so beschäftigen, intensiver auseinanderzusetzen.

Und wenn ich dann zusätzlich täglich in die Augen meiner Kinder blicke, weiß ich auch genau, warum ich mich für eine bessere Zukunft einsetze.

Was sind die größten Herausforderungen, denen wir uns heute gegenüber sehen?

Die allteingefahrenen Muster in unseren Köpfen.

Welchen Lösungsansatz schlägst du in deinem Buch vor?

Ein Ansatz der ebenso simpel wie natürlich ist. Den Menschen all das zu geben, was sie brauchen, um ihnen damit die Sicherheit zu gewährleisten, welche sie brauchen und das Selbstbewusstsein zurückzugeben, das sie verdienen. Was jedes Lebewesen verdient. Tut man dies in Form von Zugang zu den lebenswichtigen Ressourcen, erhält man als Reaktion ein friedliches, kreatives und zufriedenes Gemüt, welches keinen Grund mehr hat negative Verhaltensweisen an den Tag zu legen.

Ich erfinde das Rad hier nicht neu, sondern beschreibe im Detail das Modell einer ressourcenbasierten Wirtschaft.

Was ist eine ressourcenbasierte Wirtschaft und wie funktioniert sie?

Da das Zusammenleben mit einer so großen Zahl an Menschen doch recht komplex ist, bedarf es einem System, welches alle Bereiche des Lebens umfasst und dabei auch alle Bedürfnisse befriedigt, die wir Menschen und die Natur, genauso wie unser Planet, haben. Eine Wirtschaft die einzig darauf basiert, was wir für Ressourcen zu Verfügung haben und wie man sie nutzt, um allen Menschen den Zugang zu sauberem Wasser, reiner Luft, Nahrung und einem Dach über dem Kopf zu ermöglichen, kann genau diese Wünsche erfüllen.

Vorraussetzung dafür ist, dass man ein neues Denken zulässt, in dem es keine Art von „Gegenleistung“ mehr gibt. Um dies zu erleichtern, wird dabei auf ein Geldsystem komplett verzichtet. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir dieses nicht mehr benötigen, weil wir heute mehr den je, die technischen Mittel und das Wissen zur Verfügung haben, um uns eine Zukunft aufzubauen, die uns alles geben kann, was wir brauchen.

Warum bekommen wir von all den positiven Entwicklungen und Modellen, die es bereits gibt, so wenig durch die Medien mit?

Weil die Medien von Menschen kontrolliert werden, die das monetäre System leiten.

Was haben alle Menschen gemeinsam? Wonach streben sie?

Ich denke das jeder Mensch nach innerlicher Erfüllung strebt, bei der er seine Gedanken und deren Ausdrucksformen so ausleben kann, wie er möchte und welche dabei von Niemandem in irgendeiner Form bewertet werden.

Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt

Warum fällt es so schwer, das umzusetzen?

Weil wir nur gelernt haben, bewertend durchs Leben zu schreiten.

Besonders inspirierend fand ich den Ansatz in deinem Buch, dass man in Zukunft jemanden nicht mehr fragen wird „Was bist du von Beruf?“, sondern „Was sind deine Interessen?“ Damit beschreibst du gleichzeitig, dass fast alles von der Arbeit, die wir heute kennen für den Menschen überflüssig wird und er sich „aussuchen“ kann, was er den lieben langen Tag macht.

Damit stimmen wir überein. Ist das nicht erstrebenswert? (lächelt)

Was sind deiner Meinung nach die Vorteile dieser neuen Beschäftigungskultur auf freiwilliger Basis und wie wird dann gesichert, dass wichtige Institutionen wie z.b. unsere Krankenhäuser, die Müllabfuhr, Bildungsräume usw. weiterhin funktionieren, wenn es irgendwann die normale Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen, nicht mehr geben wird?

Bisher haben wir durch elitäre Machtstrukturen lediglich das System der Zwangsarbeit kennengelernt.

Es kann daher nur unser Ziel sein, den Menschen wieder den Druck aus ihrem Leben zu nehmen. Man braucht wahrlich kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, das ein Mensch einer Beschäftigung mit mehr Eifer und Freude nachgeht, wenn er weiß, das er sich keine Sorgen mehr um Essen oder eine Wohnung machen muss. Denkt man diesen Punkt ein mal in Ruhe zu Ende, erkennt man, dass so auch eine höhere Qualität bei gleichzeitiger Gesundheit und Zufriedenheit eines jeden Menschen gewährleistet ist. Denn fast jeder möchte eine Beschäftigung haben. Egal wie diese auch aussehen mag und ob man ihr für Andere oder nur für sich selber nachgeht. Dafür ist unsere menschliche Natur schlichtweg ausgelegt. Und aus einer freiwilligen Einteilung von Zeit, entsteht eine neue Autonomieform, die kreative, selbstbewusste und offene Menschen hervorbringt.

Viele Abläufe des täglichen Lebens werden auch soweit automatisiert, das menschliches Eingreifen kaum noch nötig ist. Das ist für viele noch unvorstellbar, aber doch näher und machbarer, als wir glauben. Wir setzten uns nur künstliche Grenzen durch die Frage nach einer „Finanzierung“. Denn egal ob es darum geht, bedingungslos zu forschen (um unsere Entwicklung zu fördern), hungernden Menschen zu helfen oder neue Ideen umzusetzen, wir stellen uns immer noch die alte Frage: „Wer soll das alles bezahlen?“. Sie wäre mit einer anderen Herangehensweise nicht mehr nötig.

Das ist ein zentraler Punkt in deinem Buch. Du skizzierst eine globale Gesellschaft, die ohne Geld funktioniert. Wie kann ich dann z. B. Lebensmittel oder neue Kleidung bekommen? Muss ich dann keine Miete mehr zahlen?

(lacht) Du hast dir diese Frage bereits selbst beantwortet.

Was ist, wenn ich krank bin und eine langwierige Behandlung brauche? Würde ich dann kostenfrei behandelt werden?

Das würdest du. Und der Arzt der dich behandelt, wäre an einer wirklichen Genesung und einer Ursachenanalyse sehr interessiert. (zwinkert)

Dein Buch ist in verschiedene Bereiche gegliedert, wie z.b. Wirtschaft, Gesundheit, Politik usw. Was ist für dich persönlich der wichtigste Bereich und warum?

Ich finde, dass die beiden Kapitel zur Sozialisation und der Gewaltfreien Haltung bereits viel in uns auslösen können, worauf es sich lohnt aufzubauen. Denn ehrlich gesagt ist alles andere nicht „echt“, sondern das Ergebnis unseres Erfindertums und damit absolut veränderbar.

Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt

Du schreibst ja auch den Blog Gewaltfreies Leben. Inwiefern hat eine gewaltfreie Haltung mit deinem Buch zu tun?

Auch wenn in meinem Buch viele negative Faktoren unserer Zeit beschrieben sind, so ist bei allem die Hoffnung rauszulesen, sich dem anzunehmen und zu versuchen, innerhalb seines eigenen, möglichen Aktionsradius Veränderungen anzustreben. Dies geht meiner Meinung nach nur mit einer Art der Kommunikation, die weder andere belehrt, noch kränkt, verurteilt oder ablehnt. Denn möchte man eine Veränderung voranbringen, muss man Menschen dazu bringen, empathisch zu handeln. Sie müssen es aus ihrem Inneren heraus wollen.

Gibt es auf deinem Blog weitere Informationen auch zu den Themen des Buchs?

Der Leser des Buches findet in den Anmerkungen einen Link zu weiterführendem Material, welches ich als Ergänzung und Verdeutlichung meines Anliegens nutzen möchte.

Vielen Dank für das spannende Interview! Ich wünsche dir ganz viel Erfolg mit deinem Buch und dass du möglichst viele Menschen damit erreichen kannst.

Ich bedanke mich sehr für die tollen Fragen und hoffe auf das Gleiche :)

Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt

Wo du das Buch bekommst:

Das Buch „Neue Wege in eine freie Welt“ kannst du dir hier kostenfrei herunterladen:

→ Zum Buch „Neue Wege“

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin 34 Jahre jung, zweifache Mama und seit zehn Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. → mehr über mich

2 Gedanken zu „Buchtipp: Neue Wege in eine freie Welt“

  1. Dezyderio PAWLICZAK sagt:

    Hallo, ganz große Klasse, finde ich super wenn es dieses Geld nicht gäbe, dann wären wir alle menschlicher und bessere Menschen. Ich habe auch erkannt,das meine Zeit, ich nun in meine Kinder investiere, denn Sie sind das größte Glück in meinem Leben.
    Liebe Grüße Dezyderio aus Wertheim

    1. Julia sagt:

      Hallo Dezyderio, schön das zu hören. Ich freue mich, dass immer mehr Menschen das auch erkennen!

      Alles Liebe,
      Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.