Familie

Kaiserschnitt und Frühgeburt: Wenn alles anders kommt als geplant

Was du tun kannst, um eine schwierige Geburt zu verarbeiten

Ich möchte mit diesem Blog endlich eine Stufe weitergehen und auch persönlichere, tiefer gehende Themen ansprechen. Denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade diese Beiträge anderen Menschen am meisten weiterhelfen. Heute gibt es also den ersten offenen Beitrag über meine nicht ganz so optimalen Schwangerschaften und wie ich damit umgegangen bin.

Vornweg möchte ich jedoch noch etwas Wichtiges loswerden. Mir ist bewusst, dass das hier Jammern auf hohem Niveau ist. Ich habe zwei gesunde Kinder bekommen, trotz aller Widrigkeiten. Und ich bin in höchstem Maße dankbar dafür, jeden Tag! Ich weiß, dass viele Menschen gar keine Kinder bekommen können oder gar ein Kind verloren haben. Das ist schrecklich und ich möchte mich in keinem Falle darüber erheben. Dies ist einfach ein Erfahrungsbericht und eine Ermutigung für Menschen, die ähnliches durchmachen bzw. durchgemacht haben.

Bin ich eine „richtige“ Frau trotz Kaiserschnitt-Geburten?

Wenn Frauen zusammensitzen und sich gegenseitig ihre Geburtsgeschichten erzählen, fühle ich mich oft ausgegrenzt. Ich beneide sie um ihre Erfahrungen einer oder mehrerer natürlicher Geburten. Und ich möchte am Liebsten nicht aufgefordert werden, meine Geschichte beizusteuern. Denn wenn es dazu kommt, herrscht meist betretenes Schweigen und das Gespräch ist zuende. Dabei finde ich: Gerade die Geschichten wo nicht alles rund lief, sollten viel öfter erzählt werden. Ich finde es wichtig, dass die Illusion von der einfachen, komplikationslosen Schwangerschaft samt natürlicher Geburt mal ein wenig ins Wanken gerät und auch diejenigen zu Wort kommen – gesehen und gehört und getröstet werden – die nicht dieses Glück hatten.

Oft habe ich das Gefühl, dass ich „keine richtige Frau“ bin, weil meine beiden Kinder per Kaiserschnitt und zu früh auf die Welt gekommen sind. Ich habe gelernt, etwas besser damit umzugehen und mich auf das Positive zu konzentrieren – aber in manchen Momenten kommen diese Gefühle doch wieder hoch. Und ich bin mir sicher, dass es vielen anderen Frauen auch so ergeht. Ich habe oft das Gefühl, belächelt zu werden oder abschätzende Blicke zu ernten, als ob ich selbst schuld daran hätte („Wer weiß warum sie einen Kaiserschnitt hatte! Bestimmt wäre er gar nicht nötig gewesen und sie wollte es sich nur einfach machen. Oder sie hat Alkohol getrunken / Drogen genommen / irgendwas anderes falsch gemacht und deswegen ist das Kind krank geworden. Normal ist das jedenfalls nicht.“). Vielleicht übertreibe ich an dieser Stelle, aber das sind eben meine Bewertungen der Reaktionen anderer auf meine Geschichte. So fühlt es sich an, wenn einfach gar nichts dazu gesagt wird, komische Blicke fallen oder das Gespräch schnell wieder auf normale Geburten überschwankt, damit sich das Gegenüber nicht mit Problemen auseinandersetzen muss.

Meine Schwangerschaften & Geburten

Das soll kein 5-seitiger Bericht werden – also versuche ich, mich kurz zu fassen. Ich wollte schon mein Leben lang Kinder haben und so war ich unglaublich glücklich, als ich endlich schwanger war. Doch meine erste Schwangerschaft endete bereits nach neun Wochen. Der Ultraschall zeigte keinen Herzschlag mehr an und für mich brach eine Welt zusammen. Ein „schnelles Ende“ in der Klinik lehnte ich ab, und so dauerte es fast zwei Monate bis zur stillen Geburt.

Ungefähr ein viertel Jahr später wurde ich dann wieder schwanger. Beim ersten Ultraschall war alles prima. Beim zweiten wurde plötzlich nichts mehr gefunden – „Oh Mann, nicht schon wieder!“, dachte ich. Zwischenzeitlich hatte ich mich mit Gedanken an Adoption oder ein Pflegekind beschäftigt, als beim nächsten Ultraschall plötzlich mein Baby wieder sichtbar und schon deutlich gewachsen war. Wir freuten uns riesig! Dennoch schwebte die Angst immer über mir. Was ist, wenn es wieder schief geht? Ich konnte mich während der ganzen Schwangerschaft nicht so wirklich entspannen. Vermutlich geht das jeder Frau so, die eine oder mehrere Fehlgeburten hatte. Die Angst ist einfach da. Die Monate gingen dahin und wir machten unsere wundervolle Schwedenreise. Zum Glück waren wir rechtzeitig wieder zuhause, denn in der 34. Schwangerschaftswoche bekam ich plötzlich starke Wehen. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir bei der Hebamme im Geburtshaus angekommen waren. Sie untersuchte mich und stellte fest, dass die Geburt bereits im Gange war – unsere Tochter lag jedoch verkehrt herum und wollte mit den Füßchen zuerst rauskommen. Also ab ins Krankenhaus, Drängen zum Kaiserschnitt wegen des hohen Risikos und wenige Stunden später war unsere Tochter schon geboren. Was für ein unbeschreibliches Gefühl es war, ihren ersten Schrei zu hören. Dafür gibt es keine Worte! Doch kuscheln durfte ich nicht mit ihr und nach wenigen Minuten wurde unser Baby zum Kinderarzt auf einer anderen Station gebracht. Leider wird das bei Frühgeburten so gehandhabt – ich finde das ganz schrecklich und weder für Mutter noch Kind in irgendeiner Weise sinnvoll. Beim Kaiserschnitt wurde festgestellt, dass meine Gebärmutter komplett in zwei Hälften geteilt ist. Unsere Tochter hatte also den Geburtsvorgang selbst eingeleitet, als es ihr zu eng wurde. Es war sehr gut für uns beide, dass ich Wehen hatte und wir wenigstens einige Stunden eine beginnende Geburt zusammen erleben durften.

Nach diesem traumatischen Erlebnis wollte ich sehr lange erstmal keine weiteren Kinder. Und wenn, dann nur nach einem operativen Eingriff um die Trennwand in der Gebärmutter zu entfernen. Ich brauche vier Jahre für die Entscheidung und ließ dann schließlich die OP machen. Danach war ich guter Hoffnung und freute mich, auf eine normale Schwangerschaft und natürliche Geburt – vielleicht klappte es ja diesmal mit der Hausgeburt?

Du kannst dir bestimmt schon denken, dass es nicht dazu kam. Sonst wäre dieser Beitrag nicht so lang :) Ein halbes Jahr nach der OP wurde ich wieder schwanger. Außer üblichen Erscheinungen wie Übelkeit und Müdigkeit hab es zunächst keine Komplikationen. Doch in der 23. Schwangerschaftswoche war ich bei einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt und wurde sofort ins Krankenhaus überwiesen – mein Gebärmutterhals war komplett verstrichen und das Köpfchen drückte so stark auf den Muttermund, dass es bereits eine trichterförmige Öffnung gab. ARGH! In dieser Nacht standen wir die wohl schlimmsten Ängste unseres Lebens aus. Wir dachten, alles ist vorbei, hier kommen wir nicht mit einem gesunden Baby raus. Ein schreckliches Gefühl! Die Stunden zogen sich wie Kaugummi. Es gab nun zwei Optionen: Gar nichts tun und absolute Bettruhe bis zur Geburt oder ein operativer Verschluss des Muttermundes, der aber große Risiken birgt. Eine Woche lang überlegten wir hin und her, berieten uns mit Hebammen, Ärzten und Familienmitgliedern und entschieden uns dann für die OP. Zum Glück ist alles gut gegangen. Dennoch hatte ich im Anschluss absolute Bettruhe bis zur Geburt. Das ewige Liegen an sich wäre ja nicht so schlimm gewesen – aber in meinem Kopf tobte es. Meine Ängste türmten sich auf und mir fiel es schwer, an etwas Positives zu denken. Woche 24, Woche 25, Woche 26, … Ich zählte jeden Tag, jede Woche bis wir nach Ewigkeiten endlich bei der 30. Schwangerschaftswoche angekommen waren und ich ein wenig durchatmen konnte. Soviel würde jetzt hoffentlich nicht mehr schiefgehen. Es tat sich weiterhin nichts und wir ulkten schon herum, dass unser Sohn zur Abwechslung bestimmt erst nach 41 oder 42 Wochen rauskommen würde. Aber in der 35. Woche riss meine Fruchtblase und das Prozedere in der Klinik ging wieder los. Beckenendlage, Drängen zum Kaiserschnitt wegen der hohen Risiken. Auch diesmal wurde uns nach wenigen Minuten das Baby entrissen, um es zum Kinderarzt weit weg vom OP zu bringen. Schade, dass in den meisten Kliniken das uralte Wissen über Schwangerschaft und Geburt scheinbar komplett verloren gegangen ist. Ein Baby gehört nach der Geburt zur Mutter! Es kann auch bei der Mama untersucht und versorgt werden. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein ander Mal erzählt werden.

Wo du dir Hilfe und Unterstützung holen kannst

Hast du ebenfalls eine nicht ganz so tolle Schwangerschaft und/oder Geburt erlebt? Ich fand es schrecklich, mit meinen Ängsten allein dazu stehen. Mir fehlten Methoden, um aus dieser Angstspirale herauszukommen, das Positive zu sehen.

Als ein Hauptproblem bei diesem Thema sehe ich fehlende Gesprächspartner an. Es ist einfach unglaublich schwierig – außerhalb des Internets – Leute zu treffen, die ähnliches erlebt haben. Auch im Gespräch mit Hebammen wird vieles oft weggelächelt und schnell abgetan „ja aber es ist doch alles gut gegangen, freu dich doch!“ oder noch besser „Wenn es nicht sein soll, dann soll es eben nicht sein“. Die eigenen Freundinnen haben in den seltensten Fällen etwas ähnliches erlebt und können sich – auch wenn sie sich sehr bemühen – nicht wirklich hineinfühlen.

Jetzt im Nachhinein fällt mir jedoch vieles ein, was du tun kannst, um dich besser zu fühlen. Deine Ängste und Sorgen wenigstens zeitweise zu vergessen und deine (aktuelle oder nächste) Schwangerschaft zu genießen.

Was du tun kannst, um eine schwierige Geburt zu verarbeiten

  • Such dir eine Doula. Doulas sind einfühlsame, professionelle Begleiterinnen für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Eine Geburtsbegleiterin nimmt sich auf Wunsch auch nach der Geburt viel Zeit für dich und geht individuell auf deine Problemstellungen ein, kann Traumreisen oder andere Übungen mit dir machen usw.
  • Fokussiere dich auf das Positive: Du kannst schwanger werden! Das ist schonmal etwas, das vielen Frauen verwehrt bleibt und ein Riesengrund zur Freude. Schließe die Augen und versuche, tiefe Dankbarkeit zu spüren für alles was du jetzt bereits in deinem Leben hast. Weitere Denkanstöße findest du hier: Du hast bereits alles was du brauchst – Wie du dein Leben zu schätzen lernst
  • Tausche dich mit anderen betroffenen Frauen in Foren oder Gruppen aus, oder suche einen Gesprächskreis in deiner Stadt.
  • Lass deine Tränen zu. Verdrängte Trauer bringt dir keine Heilung, sondern lässt den Schmerz nur tiefer in deinen Körper sinken. Weine die Tränen, die geweint werden möchten. Und gönne dir danach Ruhe und liebevolle Zuwendung.
  • Bei Nora findest du einen wunderbaren Kurs zum Verarbeiten schwieriger Geburten
  • Versuche, die allgegenwärtige Liebe um dich herum zu sehen: In jedem Menschen, jedem Tier, jeder Pflanze, deinen Kindern, deinem Mann, der strahlenden Sonne, … Du bist hier auf dieser Welt und du bist ein Wunder!

Schon lange überlege ich, anderen Frauen zu helfen, die ebenfals eine schwierige Schwangerschaft bzw. Geburt erlebt haben. Eine Gruppe zu gründen oder Beratungen anzubieten… Lasst mich gern wissen, was ihr darüber denkt – ob es dafür Bedarf gibt und wie ich das gestalten könnte? Schreibt mir gern eine Mail oder einen Kommentar unter diesen Beitrag.

Veröffentlicht von Julia

Hallo, ich bin Julia! Ich bin seit neun Monaten mit meiner Familie auf Langzeit-Reise durch Europa - man könnte es auch Selbstfindungstrip nennen. Wir mussten raus aus dem alten Trott und alles mal gut durchmischen. Was brauchen wir noch und was kann weg? Wie wollen wir in Zukunft leben? Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt und jeder Tag bringt neue Erkenntnisse. Auf unserer äußeren und inneren Reise möchte ich dich gern in diesem Blog mitnehmen » mehr über mich

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